Mittwoch, 7. November 2012

PI: Traumtänzerin 7

Geschrieben von petit Indien.

Ein fernes Lachen. Warmes, prasselndes Feuer. Wir lagen vorm Kamin, Kai und ich. Sofort stiehlt sich ein Geschmack von Mandeln in meinen Mund. Ich erinnere mich an Kleinigkeiten: Wie sie über meinen Rücken strich, über meine Haare fuhr. Ihre Berührungen fühlten sich so warm an und gaben mir Geborgenheit. Ich weiß nicht mal, warum ich diesen Moment so in Erinnerung behalten habe. Es war einer von vielen, nichts Besonderes – aber vielleicht lag ja gerade darin das Besondere. Das kleine bisschen Glück, das ich suche.
Reicht mir das? Das kleine Glück? Und was ist mit ihm? Ist das mit ihm nicht auch Glück? Anderes Glück, doch trotzdem Glück? So oft hatte ich versucht zu verstehen, was er für mich ist. Immer unverständlich, immer zu viel in mir um etwas zu begreifen.
Hier am Meer spüre ich alles wie durch einen Schleier. Als würde ich einen alten Film betrachten, der mich mein Leben von weit weg sehen lässt. Distanziert. Blasser. Nicht so farbenfroh, so emotional und lebensnah. Das Meer vor mir macht sie dadurch leichter. Und in dieser Leichtigkeit greifbarer. Weil sie weiter von mir weg sind, tun sie mir nicht mehr weh. Weil sie jetzt keine Macht mehr über mich haben, nicht mehr in mir, sondern vor mir sind. Ich kann endlich zurück blicken, ohne dass mich die Vielfalt der Gedanken und Eindrücke erdrückt. Es fühlt sich an, als ob mich der Anblick des Meeres in eine andere Welt bringt, in eine zeitlose Welt. Die Zeit existiert hier nicht und so liegt es an mir, ob ich sie in meinem Geist vor oder zurück drehe. Das Glück geht in dieser Reise verloren.
Gleichzeitig merke ich jedoch schon jetzt, wie mich die Sehnsucht nach dem wahren Leben sucht. Wehmut, ja, das Meer verbinde ich mit Wehmut. Sie steht vor mir, wartet noch, wird aber bald anklopfen und mich dann umso fester packen. Doch noch ist es nicht so weit.
Wie vor einem Fernseher sitze ich stundenlang vorm Meer und starre in die Wellen. Das Glück finde ich dabei nicht.

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