Montag, 26. November 2012

PI: Verdammtes Unglück.

Geschrieben von petit Indien.

Verdammtes Unglück
[o] Oktober 2012

Verdammt,
verschließ' dich!
Vergiss den Weg, das Glück, die Entscheidung.
Egal wo, wer, wie -
du könntest es mit Wille -
du willst nicht,
aber du,
du musst sein.

Du verstehst kein Leben,
du!
- hast das Brett vorm Kopf.
Du ziehst, zerrst,
du drückst runter, du verpestest!
Verdammt!

Du bist ein Strudel,
du stehst dir im Weg,
du bist dein Unglück.
Blind, taub, stumm.

Rede,
verstrick' dich
im Netz deines Selbstmitleids,
im Nebel deiner Trauer, deiner Wut und
deines verdammten Neids.
Neid ist ein Feuer,
dass dies mit sich zieht, verbrennt.
Alles verbrennt, alles wird zu
Asche und legt sich auf
deine bereits gegangenen Wege,
sodass du
denkst -
ja du denkst! -
dass dieser Weg neu wäre,
dass dieser Weg raus führte,
raus aus dem Labyrinth deiner Trauer,
deines eigenen doch so
verzweifelten Schicksals.

Schau genauer hin!

Aber ich,...
ich geb' auf, ich lasse los.
Ich lasse dein Unglück nicht zu
meinem, nicht zu unserem Unglück werden.
Will ich?
Willst du?
Verdammt!

Du raubst mir die
Kraft zu glauben,
weil du nur dies
sein willst und
du und du und du.

Klar seh' ich,
wie du schwankst,
und klar weiß ich,
wie das Wasser in deinem Herzen
überläuft und du das
Ertrinken fühlst,
die Luft und alles in
Kreisen dich
gefangen hält.

Ich aber
sehe auch,
dass du
mich siehst,
nur nicht
sehen willst.

Immer nur du stehst
im Mittelpunkt deiner
Gedanken.
Und du
machst Liebe so schwer
und du
machst
schwer.

Bist du verliebt
in dein Bild des Unglücks?
Hat es dich verführt,
umschlungen in der Umarmung
der Sicherheit, die du,
gespiegelt im Wasser,
für Liebe hältst?
Für Zukunft und für
Selbsterkenntnis?

Du bist es.
Du verhinderst,
du verletzt.
Du verstehst, sprichst die Sprache,
aufzuziehen durch
runter zuziehen, durchs Festhalten
abzuschrecken,
durch Liebe zu hassen.
Du verstehst, dass ich
mich -
nur noch voller Wille vom
Hassen und vom Lieben abhalte,
nur noch Leben will -
der Schmerz ist egal?

Aber du -

spiel' mit deiner Realität.
Spiel' mit deiner
Welt,
du.
Tust mir weh.
Und du
wirst verstehen,
dass ich nur noch
weg von dir
will.

Freitag, 16. November 2012

PI: Traumtänzerin 16

Geschrieben von petit Indien.


Es geht alles so schnell. Auf einmal ist mein ganzes bisheriges Leben-... kaputt? Verändert, neu? Aus Minuten werden Stunden, aus Stunden Tage. Plötzlich ist eine Woche vorbei – ohne ihn. Alles ist Alltag geworden. Alltag ohne Streit beim Frühstück, ohne bedrücktes Schweigen im Bett. Ein einsamer Alltag zwar, trotzdem mein Alltag. Ein Alltag ohne Angst. Ob er sich bald ein neues Leben aufgebaut haben wird? Vielleicht eine neue Beziehung, eine Ehe, eine Familie – so wie er es sich gewünscht hat?

Es ist Samstag. Zum ersten Mal nach der Trennung sehe ich Kai wieder. Sie hat oft angerufen, doch ich habe es nicht geschafft, zu antworten. Irgendwie ist es in meinem Kopf hängen geblieben, dass ihre Frage nach dem Glück den Stein ins Rollen brachte. Aber vielleicht war das gut so.
Dennoch muss ich einfach wissen, warum sie mich gefragt hatte. Hatte sie gespürt, wie unglücklich ich in Wahrheit gewesen war? Oder war es nur ein Glückstreffer gewesen? Ich hatte nächtelang wachgelegen und darüber nachgedacht. Es lässt mich nicht mehr los, es ist doch mein gutes Recht zu wissen, mit welcher Motivation sie diese alles verändernde Frage gestellt hatte.
Es ist also keine große Überraschung, dass mein erster Satz nach der Begrüßung „Warum hattest du mich gefragt, ob ich glücklich bin?“ lautet.
„Weil ich sehr glücklich war, bei dir zu sein. Du bist mein Glück.“

Und das ist sie, meine Antwort. Wo ich das Mehr in meinem Leben finde, mein Glück und überhaupt die Lebendigkeit: In mir und mit ihr. So nichtssagend diese Antwort vielleicht ist, mir gibt sie so viel. Vor allem gibt es mir etwas, dass Kai mir diese Antwort gegeben hat. Wir werden uns wieder treffen.

Donnerstag, 15. November 2012

PI: Traumtänzerin 15

Geschrieben von petit Indien.


Mit jeder Minute wird es unwirklicher. War es wirklich wahr? Soll es wirklich wahr sein?

Würde mich denn das glücklich machen? Gegen ihn, für sie? Für ihn, gegen sie? Warum bringt jede Entscheidung eine andere nach sich? Warum kann ich nichts entscheiden, ohne mich gleichzeitig gegen etwas anderes zu entscheiden? Ist es egal, was die anderen entscheiden? Ist nur wichtig, was ich will und wer ich bin? Aber ihre Entscheidungen beeinflussen mich und wenn -
Mit einem heftigen Schub weht mir der Meereswind ins Gesicht.
Der salzige Geruch übertönt meine Gedanken, die seit meiner Ankunft hier nur Kreise drehen. Und ich komme an.
Bin glücklich. Bin frei, bin nur ich.
Ich verstehe, dass es jetzt soweit ist. Jetzt ist alles von mir weg. Und ich bin leicht und fliege mit dem Wind.

Voll Genuss strecke ich ein letztes Mal meine Nase in die Meeresluft, lausche noch einmal dem Meeresrauschen. Dann löse ich mich.
Alles ist jetzt unwichtig und ich merke, dass ich mich schon lange entschieden habe. Nicht für ihn, nicht für Kai. Ich habe mich gegen ihn entschieden, vielleicht auch gegen sie, das weiß ich noch nicht. Jetzt habe ich mich für das Leben entschieden. Ich kann weg vom Meer, ich will jetzt zurück. Nach Hause, zum Alltag.

Mittwoch, 14. November 2012

PI: Traumtänzerin 14

Geschrieben von petit Indien.




Der Strand ist plötzlich anders. Alles ist anders, alles ist kalt. Ich vermisse dich so sehr, dass ich das Gefühl habe, der Wind, der vom Meer auf mich einprescht, könnte durch mich hindurch dringen. Weil ich mich nicht mehr ganz fühle, könnte er in mich eindringen, eingreifen. Kai, du bist nicht länger nur in dir, du bist auch in mir, du fehlst in mir, du bist der Wind, das Brennen und Ziehen. Du hast mich definiert, ohne dich fühle ich mich unvollständig. Doch du bist nicht mehr da.
Mit voller Wucht laufe ich gegen den Wind, Sand fliegt in meine Haare. Knirschend spüre ich ihn sogar zwischen den Zähnen. Das Meeresrauschen wird vom Wind verstärkt, wirkt plötzlich wütend und ganz und gar nicht mehr so zurückhaltend wie bei Ebbe.
Der Wind ändert seine Richtung. Von hinten schiebt er mich an. Mein Herz macht einen Sprung als ich kurzentschlossen meine Schuhe ausziehe, die Hose hochkremple und einfach losrenne. Wie von selbst werde ich immer schneller, will alles hinter mir zurück lassen, nicht mehr denken, hoffen, streiten.
Ohne es zu merken bin ich dem Meer näher gekommen und bin fast überrascht, als meine Füße auf kaltes Meereswasser treffen. Schwer atmend werde ich langsamer, bleibe schließlich ganz stehen.
Ich starre erregt aufs offene Meer, würde weiter hinein waten, wäre da nicht die Vernunft, die mich zurückhält.
Der Wind treibt mir Tränen in die Augen – es kümmert mich nicht. Nicht mehr. Endlich kann ich loslassen, genieße es fast. Ich lasse los, weine mir den Druck von der Seele. Meine Entscheidung ist es loszulassen, meine Tränen lassen meinen Körper erzittern und meine Muskeln entkrampfen sich langsam. Ich sinke auf meine Knien in den nassen Sand. Der Wind heult laut in meinen Ohren, so laut, dass ich fast die Stimme hinter mir überhört hätte:
„Da bist du ja!“
Ich erkenne sie auf Anhieb. Sie, Kai. Ich bin so aufgelöst, ich will nicht, dass sie mich so sieht. Ich will nicht, dass –
„Ist schon okay, Hanna“, murmelt sie. Ich kann das leichte Lächeln hören, ich weiß ganz genau wie ihre Augen in diesem Moment aussehen müssen. Ich brauche sie gar nicht anzuschauen – meine Kai.
„Hanna?“, fragt sie zögernd. Ich neige meinen Kopf leicht, schaue weiter aufs Meer.
„Hanna, ich will, dass du weißt, dass ich auf dich warte, solange, bis du mir antworten kannst. Ich werde aber nicht auf ewig warten, du musst dich irgendwann“, ihre Stimme wird brüchig, nimmt ab, „entscheiden.“ Ich kann das Brennen in ihrer Kehle spüren, ich weiß, wie sie sich fühlt. Ich weiß es so gut, dass mir plötzlich alles klar wird.
„Kai, ich habe mich bereits -“, fange ich schnell an, springe auf und drehe mich um, doch dort ist niemand. Keine flatternden blonden Haare, keine Kai, keine Fußspuren im Sand.
Sie war nicht da. Nur eine Einbildung.
Ich muss sie suchen. Ich … ich muss mich suchen. Ich muss mich finden.

Dienstag, 13. November 2012

PI: Traumtänzerin 13

Geschrieben von petit Indien.


Er wartete, erwartete. Ich warte. Warte auf dich. Kai.

Er ist abgereist. Egal was ich mache, alles ist immer falsch! Ich wollte doch nicht, dass er gleich abreist! Ich wollte mit ihm sprechen, ihm sagen, dass ich selbst nie entschieden habe, dass er… dass ich… dass sie. Dass es keine Entscheidung war, sondern ein Lernen. Oder ein –
Ich weiß nicht, was ich ihm gesagt hätte, aber ich hatte ein Ende gewollt. Ein Abschließen, ein Loslassen und Trennen und keinen solchen Bruch! Aber ohne ein weiteres Wort hatte er sich sein Recht herausgenommen, es auf seine Art zu tun.
Ich muss es akzeptieren. Der Blick aufs Meer hilft mir dabei.

Er wartete, erwartete. Ich wartete. Nun ist er weg und ich bleibe. Und warte noch immer. Warte auf dich. Kai.

Montag, 12. November 2012

PI: Traumtänzerin 12

Geschrieben von petit Indien.

Vielleicht erkannte er das auch irgendwann. Dass ich mich, wenn ich mich denn entscheiden würde, immer gegen ihn entscheiden würde. Also entschied er vor mir.
Als ich eines Tages vom Strand zurückkehre, wartet er auf mich. Er sitzt in der Küche des kleinen Ferienhauses. Als ich eintrete, dreht er sich nicht einmal um, sondern sagt nur laut ein Wort:
„Ja.“
Ja, was? ‚Ja, alles was du willst’. ‚Ja, ich war einkaufen’ oder ‚Ja, wir sollten es beenden’?
Er sieht mich an, nickt und wiederholt: „Ja.“
Egal um was es geht, als er sich schließlich doch umdreht und das Zimmer an mir vorbei verlässt, fühle ich mich frei. Ja, ich darf. Ja, es ist meine Entscheidung und ja, ich bin frei. Dieses Ja höre ich.
Mit einem wilden Lächeln laufe ich zum Strand. In mir überschlägt sich alles. Ja. In meinem Körper wird Energie freigesetzt, ich kann nicht anders als lachend und weinend dazustehen und mir den Wind ins Gesicht blasen zu lassen. Ja. Ja, endlich frei. Wie Recht er hat, ja! Ich lasse den Wind die Schwere mit sich nehmen, lasse ihn meine Haare zerzausen, bis sie mit dem Wind fliegen. Frei. Die Entscheidung ist endlich gefällt, ja. Ich bin frei. Mein Herz rast wie verrückt.
Jetzt, da ich diese Linie übertrete, ändert sich etwas in mir. Plötzlich kann ich nicht mehr aufhören, an Kai zu denken. Mir ist der Strand plötzlich zu leise, zu einsam. Ich rufe mir allerlei Momente mit ihr in den Kopf. Kai. Beim Gedanken an sie habe ich zwei Bilder von ihr in mir: Die eine Kai ist immer lachend, strahlend, frei. Die andere ist schwerer, dunkler, tiefer, jedoch... anziehend auf eine Art und Weise, die ich wohl selbst nicht verstehe. Der Wunsch, dass sie noch immer auf mich wartet, erwacht in mir. Das schlechte Gewissen ihm gegenüber verblasst.

Sonntag, 11. November 2012

PI: Traumtänzerin 11

Geschrieben von petit Indien.


Aber nein, Glück muss existieren. Es muss einen Weg geben! Ist Glück etwa die Leichtigkeit zwischen zwei Momenten? Nicht für immer, sondern nur dazwischen erreichbar? Oder muss ich für mein Glück kämpfen? Es mit Schweiß und Blut verdienen?
Doch selbst wenn ich mich für das Kämpfen entscheide, würde ich wohl, von ihm aus gesehen, um das Falsche kämpfen. Er würde denken, dass ich durch das Kämpfen mein Glück verliere. Er würde mich blind nennen. Oder selbstzerstörerisch.

Samstag, 10. November 2012

PI: Traumtänzerin 10

Geschrieben von petit Indien.

Glück bedeutet herauszufinden, wo das Mehr in meinem Leben liegt. Was das Meer in meinem Leben ist, das mich mit sich nehmen kann, in dem ich voll aufgehe.
Wo finde ich mehr in meinem Leben? Meine Liebe verbrannt, mein Wesen erschöpft. Ich habe zu viel gesehen und versuche, Jahre durch ins Meer starren zu vergessen, zu überschreiben.
Glück, was ist schon Glück im Gegensatz zur Erleichterung, die mit dem Vergessen Hand in Hand geht? Was ist schon Glück... Vielleicht habe ich mich in einer Illusion verlaufen. Einer Selbsttäuschung. Ich weiß es nicht.

Freitag, 9. November 2012

PI: Traumtänzerin 9

Geschrieben von petit Indien.

„Wo bist du gewesen?“ Seine Stimme klingt vorwurfsvoll. Ich kann ihn nicht verstehen.
Wo soll ich schon gewesen sein, als draußen am Meer? Ich war bereits am Morgen zum Sonnenaufgang dort gewesen.
Jemand, der in das Meer verliebt ist, muss gleichzeitig der tiefgründigste und traurigste Mensch der Welt sein. Ich verbinde das Meer mit Einsamkeit und bin selbst verliebt in dieses Bild. Dieses Bild vom Meer oder von mir selbst, wie ich mich in der Einsamkeit mit dem Meer vereine. Vielleicht flüchte ich mich deshalb Tag für Tag an den Strand, vergesse die Zeit, Menschen – mich selbst. Es ist alles nicht mehr wichtig. Und der Wind nimmt mich jeden Tag ein Stückchen mehr mit sich. Vielleicht bleibt am Schluss nichts mehr von mir übrig. Traumtänzer.

Donnerstag, 8. November 2012

PI: Traumtänzerin 8

Geschrieben von petit Indien.

Manchmal habe selbst ich das Gefühl, mein Leben sei nur noch eine Flucht. Halb nach rechts gedreht und kurz vorm Lossprinten. Er hat mir das vorgeworfen und ich muss ihm Recht geben.
Aber hier gleicht es jetzt umso mehr einer Flucht, obwohl ich mich nicht bewege. Dieser ganze Urlaub sollte eigentlich das Gegenteil sein.
Flucht vorm Alltag, ja, doch nicht vor sich selbst – vor mir.
Dass es eine Flucht vor meinen Gefühlen war, hatte ich erst gemerkt, als es bereits zu spät war. Als er früher von seinem Ausflug zurück gekehrt war und Kai und mich in unserem Ferienhaus dabei erwischte, wie wir von unseren Gefühlen ausgespielt worden waren.
Und jetzt, nach dem Streit zwischen Kai und ihm, kann ich gar nicht anders, als weiter zu flüchten. An das Meer zu flüchten. Allein der Gedanke an die Beiden zerreißt mich bereits. Flucht, ist der einzige Gedanke, der dann noch zu mir durchdringt. Flucht! Ich will nicht zurück in dieses leere Haus, wo nur er ist, leer und doch voller Hilflosigkeit.
Also flüchte ich zum Strand. Täglich tragen meine Füße mich zum selben Platz, dort, auf der Wellenbrechermauer. Der Strand wird ein ums andere Mal zu meiner Welt, er gehört nur noch mir allein und die Menschen darauf sind Gast darin. Eine Welt kann nur mit den Menschen darin leben. Hier fühle ich mich kalt, fremd, kann mich in meiner Trauer fallen lassen. Sie umspült mich warm und nimmt mir den Druck, nimmt mir den Instinkt zur Flucht. So finde ich zurück zu meinem Traum.
Ist man glücklich, wenn man lebt – in seiner eigenen Welt lebt? Doch wenn man nicht weiß, wer man eigentlich ist, woher kennt man dann die Welt, in die man gehört? Es muss eine Suche sein. Aber ob ich dabei das Glück oder mich selbst suche, das weiß ich nicht. Noch nicht.
Alles beginnt und endet mit Fragen nach sich selbst.

Mittwoch, 7. November 2012

PI: Traumtänzerin 7

Geschrieben von petit Indien.

Ein fernes Lachen. Warmes, prasselndes Feuer. Wir lagen vorm Kamin, Kai und ich. Sofort stiehlt sich ein Geschmack von Mandeln in meinen Mund. Ich erinnere mich an Kleinigkeiten: Wie sie über meinen Rücken strich, über meine Haare fuhr. Ihre Berührungen fühlten sich so warm an und gaben mir Geborgenheit. Ich weiß nicht mal, warum ich diesen Moment so in Erinnerung behalten habe. Es war einer von vielen, nichts Besonderes – aber vielleicht lag ja gerade darin das Besondere. Das kleine bisschen Glück, das ich suche.
Reicht mir das? Das kleine Glück? Und was ist mit ihm? Ist das mit ihm nicht auch Glück? Anderes Glück, doch trotzdem Glück? So oft hatte ich versucht zu verstehen, was er für mich ist. Immer unverständlich, immer zu viel in mir um etwas zu begreifen.
Hier am Meer spüre ich alles wie durch einen Schleier. Als würde ich einen alten Film betrachten, der mich mein Leben von weit weg sehen lässt. Distanziert. Blasser. Nicht so farbenfroh, so emotional und lebensnah. Das Meer vor mir macht sie dadurch leichter. Und in dieser Leichtigkeit greifbarer. Weil sie weiter von mir weg sind, tun sie mir nicht mehr weh. Weil sie jetzt keine Macht mehr über mich haben, nicht mehr in mir, sondern vor mir sind. Ich kann endlich zurück blicken, ohne dass mich die Vielfalt der Gedanken und Eindrücke erdrückt. Es fühlt sich an, als ob mich der Anblick des Meeres in eine andere Welt bringt, in eine zeitlose Welt. Die Zeit existiert hier nicht und so liegt es an mir, ob ich sie in meinem Geist vor oder zurück drehe. Das Glück geht in dieser Reise verloren.
Gleichzeitig merke ich jedoch schon jetzt, wie mich die Sehnsucht nach dem wahren Leben sucht. Wehmut, ja, das Meer verbinde ich mit Wehmut. Sie steht vor mir, wartet noch, wird aber bald anklopfen und mich dann umso fester packen. Doch noch ist es nicht so weit.
Wie vor einem Fernseher sitze ich stundenlang vorm Meer und starre in die Wellen. Das Glück finde ich dabei nicht.

Dienstag, 6. November 2012

PI: Traumtänzerin 6

Geschrieben von petit Indien.

Jeder fragt immer und überall nach dem Glück. Das Leben ist vollkommen übersättigt vom Glück! Glück, glücklich sein, Glückseligkeit – was ist das schon? Wir machen euch glücklich! Versprechungen, leere Versprechungen. Wir wissen gar nicht mehr, was das überhaupt ist, Glück. Wir wissen, was Glück sein sollte, wie es aussehen könnte, doch wie es sich wirklich anfühlt, das haben wir vergessen. Wir rennen Trugbildern hinterher, Luftschlössern, die beim nächsten Wind einstürzen.
Ich habe keine Lust mehr auf dieses falsche Glück! Ich habe es satt. Das Glück kann mich mal!
Ich schaue wütend in die Wellen.
Doch sie schauen nicht zurück. Das Meer rauscht. Lauter, leiser. Wie von selbst wandert mein Blick vom Ufer zu den nächsten Schaumkronen und immer weiter bis er sich am weiß-blauen Horizont verliert.
Ein frischer, kalter Wind bläst mir ins Gesicht und macht, dass meine Augen glasig werden.

Montag, 5. November 2012

PI: Traumtänzerin 5

Geschrieben von petit Indien.

Zwei Frauen. Sie würden sich am Strand begegnen, sich umrunden, sich anschauen. Die eine würde lächeln, die andere zurück lächeln. Gewissheit. Sie würden es wissen. Zusammen würden sie weitergehen, Sand zwischen den nackten Zehen und auch vor ihnen würde das Meer rauschen. Niemand außer ihnen würde wissen, dass da mehr ist. Jeder sähe nur zwei Frauen, die ihren Weg zwar zusammen gehen, aber eben nicht zusammen sind. Niemand würde wissen, was in ihnen vorgeht, vorging. Niemand, niemand würde hören, wie die eine über ihr gemeinsames Glück nach grübeln würde, zu keinem Ende käme. Alle würden das ewige Rauschen des Meeres hören, doch die Spuren der beiden Frauen im Sand würden schon nach kurzer Zeit verweht sein. Und selbst wenn es nicht wehen würde, wenn es windstille sein sollte, selbst dann würden die Spuren spätestens mit der nächsten Flut verschwunden sein.
Es könnte so einfach sein, das Glück zu haben. Nur ein einziger Traum, ein Glück, eins von vielen.
Ich könnte sofort wieder die Augen schließen und mich gefangen vom Meeresrauschen ins Traumreich träumen und vom Glücksgedanken treiben lassen. Noch weitere Momente durchleben.
Meine Realität verblasst angesichts dieser Leichtigkeit. Sich treiben lassen.
Doch nein, treiben lassen bringt nichts. Dass das nichts bringt, habe ich ja gesehen. Dass Träumereien zu nichts führen, musste ich schmerzlich erfahren. Und noch schlimmer, mussten sie beide auch erfahren. Durch mich. Durch mein Treiben lassen. Nein, ich zwinge mich, meine Augen offen zu halten. Kein weiterer erdachter Glücksmoment. Nein. Es könnte so einfach sein…

Sonntag, 4. November 2012

PI: Traumtänzerin 4

Geschrieben von petit Indien.


Glück, was ist Glück für mich?
Glück ist für mich, wenn ich nicht fragen muss. Wenn die Dinge einmal einfach sind, einfach so sind, wie sie sind und wenn auch ich einmal einfach bin, so bin, wie ich bin. Glück ist für mich Leichtigkeit und gleichzeitig Gewissheit.
Manchmal. Gerade. Kann ich meine Bilder vom Glück eigentlich nur vor Augen haben, wenn ich nicht glücklich bin? Weiß ich nur dann, was ich will? Dann, wenn es eben fehlt?
Vielleicht bin ich auch zu anspruchsvoll. Vielleicht sollte ich meine Ansprüche ans Glück herunter schrauben, nicht mehr von diesen bestimmten Momenten träumen, denn ihr Schatten fällt auf die Realität. Doch ich kann nicht. Ich kann einfach nicht aufhören zu träumen.

Samstag, 3. November 2012

PI: Traumtänzerin 3

Geschrieben von petit Indien.

Ich sitze am Strand. Weißer Sandstrand. Es ist zwar nicht Sommer, aber Ferien sind Ferien und wenn man es sich leisten kann, muss man in den Ferien verreisen – jedenfalls sagt er das immer. Da Kai spontan auch mitkam, war ich einverstanden. Aber jetzt ist Kai weg.
Ich mag den Strand. Niemand ist um diese Zeit des Jahres am Strand, ich habe ihn ganz für mich allein. Wellen rauschen, das Meer zieht sich zurück, ist ruhig. Wird wieder lauter, Wellen tragen die Gischt zu mir. Vor, zurück. Rauschen. Leichter Himmel, blau. Der Tag neigt sich dem Abend zu. Die Sonne hat die besondere Farbe angenommen, die ich so liebe: Licht, das alles als schön erscheinen lässt. Irgendwie gibt es den Dingen Alter. Alles wirkt so seltsam vergilbt wie auf alten Fotos. So warm. Dabei ist es wirklich alles andere als warm.
Das Meer rauscht. Das Meeresrauschen gesellt sich zum immer wiederkehrenden Wort in meinem Kopf: Glück.

Freitag, 2. November 2012

PI: Traumtänzerin 2

Geschrieben von petit Indien.




„Bist du glücklich?“
Damit fing alles erneut an. Mit dieser unschuldigen kleinen Frage.
Blondes, langes Haar, eindringliche blau-graue Augen, ein silberner Ring in der Nase, in dem sich etwas Helles spiegelte. Vielleicht war ich das Helle.
„Ob ich glücklich bin?“, fragte ich überrascht. Kai nickte langsam.
„Klar bin ich glücklich.“ Ich dachte an meine Beziehung, dachte an den Urlaub, den wir uns gerade gönnten, er, Kai und ich. Urlaub am Meer, mit eigenem Ferienhaus und Sandstrand gleich davor. Wie konnte man da nicht glücklich sein?
Kai runzelte kurz ihre Stirn und beobachtete mich. Aber als ich nichts weiter sagte, schüttelte sie leicht lachend den Kopf. Ich verstand nicht, worüber sie lachte. Aber ich verstand sie fast nie. Wieder sah Kai mich an. Fragend trafen ihre blau-grauen Augen meine braunen.
Ich habe immer das Gefühl, sie könne in mich hineinschauen, dabei sieht sie mich in Wahrheit wahrscheinlich einfach nur an – oder durch mich hindurch. Ihr Blick fasziniert mich schon immer. Vielleicht hatte ich mich nur deswegen weiter mit ihr getroffen, nur, weil ich ihren Blick hatte sehen, von ihr angesehen werden wollen. Hatte ich sie nur wegen dieses Blicks dazu eingeladen, mit ihm und mir den Urlaub zu verbringen?
Ihre Frage kam mir in den Sinn: Ist Kai denn glücklich? Normalerweise würde man zurück fragen, doch ich hatte Angst davor. Vielleicht wollte ich auch keine Antwort von ihr, aus Angst, ihr wieder näher zu kommen. Ich hatte Angst, Grenzen zu überschreiten, ihr durch eine solche Frage emotional nahe zu kommen. Jetzt, wo wir alles so schön aufgebaut, alles zwischen uns so platt getreten hatten, dass man auch ja nichts mehr davon sah. Im Nachhinein wunderte ich mich sehr, warum sie zugesagt hatte, gemeinsam in den Urlaub zu fahren.
Ich dachte lieber still darüber nach, was Kai auf die Glücksfrage antworten würde. Ich glaube, sie hätte ‚nein’ gesagt, doch wenn man so schnell lachen konnte, wie sie es immer tat, musste sie irgendwie glücklich sein. Oder? Konnte man denn für einen Moment glücklich und für den nächsten schon nicht mehr sein?
Kai legte ihren Kopf schief und schaute mich wieder leicht lächelnd an. Was sie wohl dachte? Ob sie an unser Glück dachte? Oder an ihr Leben? An mein Leben?
„Was ist Glück für dich?“, fragte sie mich.

Donnerstag, 1. November 2012

PI: Traumtänzerin 1

Geschrieben von petit Indien.

    Traumtänzerin
Wie dieses Wort Kreis um Kreis in mir zieht, in mir hallt und nicht vergehen will. Glück.

Ich fasse es nicht! Ich kann es nicht verstehen, es raubt mir den Atem, lässt mich so wütend und hilflos zurück. Wie kann er – wie kann sie - wie können sie mir meine Entscheidung abnehmen wollen? Und sich dann heimlich, still und leise davon schleichen, während sich in mir alles aufbäumt? Ich will nicht! - auch keine Angst haben. Ich will nicht die Angst zulassen, die sich da in mich stiehlt. Das bin nicht ich, das ist nicht meine Angst.
Ich muss mich beruhigen. Ich muss... erst einmal aufhören zu zittern. Jetzt habe ich die Zeit, die ich mir gewünscht habe. Die Zeit um nachzudenken. Nachzudenken über das Glück. Mein Glück.