„Bist
du glücklich?“
Damit
fing alles erneut an. Mit dieser unschuldigen kleinen Frage.
Blondes,
langes Haar, eindringliche blau-graue Augen, ein silberner Ring in
der Nase, in dem sich etwas Helles spiegelte. Vielleicht war ich das
Helle.
„Ob
ich glücklich bin?“, fragte ich überrascht. Kai nickte langsam.
„Klar
bin ich glücklich.“ Ich dachte an meine Beziehung, dachte an den
Urlaub, den wir uns gerade gönnten, er, Kai und ich. Urlaub am Meer,
mit eigenem Ferienhaus und Sandstrand gleich davor. Wie konnte man da
nicht glücklich sein?
Kai
runzelte kurz ihre Stirn und beobachtete mich. Aber als ich nichts
weiter sagte, schüttelte sie leicht lachend den Kopf. Ich verstand
nicht, worüber sie lachte. Aber ich verstand sie fast nie. Wieder
sah Kai mich an. Fragend trafen ihre blau-grauen Augen meine braunen.
Ich
habe immer das Gefühl, sie könne in mich hineinschauen, dabei sieht
sie mich in Wahrheit wahrscheinlich einfach nur an – oder durch
mich hindurch. Ihr Blick fasziniert mich schon immer. Vielleicht
hatte ich mich nur deswegen weiter mit ihr getroffen, nur, weil ich
ihren Blick hatte sehen, von ihr angesehen werden wollen. Hatte ich
sie nur wegen dieses Blicks dazu eingeladen, mit ihm und mir den
Urlaub zu verbringen?
Ihre
Frage kam mir in den Sinn: Ist Kai denn glücklich? Normalerweise
würde man zurück fragen, doch ich hatte Angst davor. Vielleicht
wollte ich auch keine Antwort von ihr, aus Angst, ihr wieder näher
zu kommen. Ich hatte Angst, Grenzen zu überschreiten, ihr durch eine
solche Frage emotional nahe zu kommen. Jetzt, wo wir alles so schön
aufgebaut, alles zwischen uns so platt getreten hatten, dass man auch
ja nichts mehr davon sah. Im Nachhinein wunderte ich mich sehr, warum
sie zugesagt hatte, gemeinsam in den Urlaub zu fahren.
Ich
dachte lieber still darüber nach, was Kai auf die Glücksfrage
antworten würde. Ich glaube, sie hätte ‚nein’ gesagt, doch wenn
man so schnell lachen konnte, wie sie es immer tat, musste sie
irgendwie glücklich sein. Oder? Konnte man denn für einen Moment
glücklich und für den nächsten schon nicht mehr sein?
Kai
legte ihren Kopf schief und schaute mich wieder leicht lächelnd an.
Was sie wohl dachte? Ob sie an unser Glück dachte? Oder an ihr
Leben? An mein Leben?
„Was
ist Glück für dich?“, fragte sie mich.

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