Freitag, 2. November 2012

PI: Traumtänzerin 2

Geschrieben von petit Indien.




„Bist du glücklich?“
Damit fing alles erneut an. Mit dieser unschuldigen kleinen Frage.
Blondes, langes Haar, eindringliche blau-graue Augen, ein silberner Ring in der Nase, in dem sich etwas Helles spiegelte. Vielleicht war ich das Helle.
„Ob ich glücklich bin?“, fragte ich überrascht. Kai nickte langsam.
„Klar bin ich glücklich.“ Ich dachte an meine Beziehung, dachte an den Urlaub, den wir uns gerade gönnten, er, Kai und ich. Urlaub am Meer, mit eigenem Ferienhaus und Sandstrand gleich davor. Wie konnte man da nicht glücklich sein?
Kai runzelte kurz ihre Stirn und beobachtete mich. Aber als ich nichts weiter sagte, schüttelte sie leicht lachend den Kopf. Ich verstand nicht, worüber sie lachte. Aber ich verstand sie fast nie. Wieder sah Kai mich an. Fragend trafen ihre blau-grauen Augen meine braunen.
Ich habe immer das Gefühl, sie könne in mich hineinschauen, dabei sieht sie mich in Wahrheit wahrscheinlich einfach nur an – oder durch mich hindurch. Ihr Blick fasziniert mich schon immer. Vielleicht hatte ich mich nur deswegen weiter mit ihr getroffen, nur, weil ich ihren Blick hatte sehen, von ihr angesehen werden wollen. Hatte ich sie nur wegen dieses Blicks dazu eingeladen, mit ihm und mir den Urlaub zu verbringen?
Ihre Frage kam mir in den Sinn: Ist Kai denn glücklich? Normalerweise würde man zurück fragen, doch ich hatte Angst davor. Vielleicht wollte ich auch keine Antwort von ihr, aus Angst, ihr wieder näher zu kommen. Ich hatte Angst, Grenzen zu überschreiten, ihr durch eine solche Frage emotional nahe zu kommen. Jetzt, wo wir alles so schön aufgebaut, alles zwischen uns so platt getreten hatten, dass man auch ja nichts mehr davon sah. Im Nachhinein wunderte ich mich sehr, warum sie zugesagt hatte, gemeinsam in den Urlaub zu fahren.
Ich dachte lieber still darüber nach, was Kai auf die Glücksfrage antworten würde. Ich glaube, sie hätte ‚nein’ gesagt, doch wenn man so schnell lachen konnte, wie sie es immer tat, musste sie irgendwie glücklich sein. Oder? Konnte man denn für einen Moment glücklich und für den nächsten schon nicht mehr sein?
Kai legte ihren Kopf schief und schaute mich wieder leicht lächelnd an. Was sie wohl dachte? Ob sie an unser Glück dachte? Oder an ihr Leben? An mein Leben?
„Was ist Glück für dich?“, fragte sie mich.

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