Es
geht alles so schnell. Auf einmal ist mein ganzes bisheriges
Leben-... kaputt? Verändert, neu? Aus Minuten werden Stunden, aus
Stunden Tage. Plötzlich ist eine Woche vorbei – ohne ihn. Alles
ist Alltag geworden. Alltag ohne Streit beim Frühstück, ohne
bedrücktes Schweigen im Bett. Ein einsamer Alltag zwar, trotzdem
mein Alltag. Ein Alltag ohne Angst. Ob er sich bald ein neues Leben
aufgebaut haben wird? Vielleicht eine neue Beziehung, eine Ehe, eine
Familie – so wie er es sich gewünscht hat?
Es
ist Samstag. Zum ersten Mal nach der Trennung sehe ich Kai wieder.
Sie hat oft angerufen, doch ich habe es nicht geschafft, zu
antworten. Irgendwie ist es in meinem Kopf hängen geblieben, dass
ihre Frage nach dem Glück den Stein ins Rollen brachte. Aber
vielleicht war das gut so.
Dennoch
muss ich einfach wissen, warum sie mich gefragt hatte. Hatte sie
gespürt, wie unglücklich ich in Wahrheit gewesen war? Oder war es
nur ein Glückstreffer gewesen? Ich hatte nächtelang wachgelegen und
darüber nachgedacht. Es lässt mich nicht mehr los, es ist doch mein
gutes Recht zu wissen, mit welcher Motivation sie diese alles
verändernde Frage gestellt hatte.
Es
ist also keine große Überraschung, dass mein erster Satz nach der
Begrüßung „Warum hattest du mich gefragt, ob ich glücklich bin?“
lautet.
„Weil
ich sehr glücklich war, bei dir zu sein. Du bist mein Glück.“
Und
das ist sie, meine Antwort. Wo ich das Mehr in meinem Leben finde,
mein Glück und überhaupt die Lebendigkeit: In mir und mit ihr. So
nichtssagend diese Antwort vielleicht ist, mir gibt sie so viel. Vor
allem gibt es mir etwas, dass Kai mir diese Antwort gegeben hat. Wir
werden uns wieder treffen.
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