Freitag, 16. November 2012

PI: Traumtänzerin 16

Geschrieben von petit Indien.


Es geht alles so schnell. Auf einmal ist mein ganzes bisheriges Leben-... kaputt? Verändert, neu? Aus Minuten werden Stunden, aus Stunden Tage. Plötzlich ist eine Woche vorbei – ohne ihn. Alles ist Alltag geworden. Alltag ohne Streit beim Frühstück, ohne bedrücktes Schweigen im Bett. Ein einsamer Alltag zwar, trotzdem mein Alltag. Ein Alltag ohne Angst. Ob er sich bald ein neues Leben aufgebaut haben wird? Vielleicht eine neue Beziehung, eine Ehe, eine Familie – so wie er es sich gewünscht hat?

Es ist Samstag. Zum ersten Mal nach der Trennung sehe ich Kai wieder. Sie hat oft angerufen, doch ich habe es nicht geschafft, zu antworten. Irgendwie ist es in meinem Kopf hängen geblieben, dass ihre Frage nach dem Glück den Stein ins Rollen brachte. Aber vielleicht war das gut so.
Dennoch muss ich einfach wissen, warum sie mich gefragt hatte. Hatte sie gespürt, wie unglücklich ich in Wahrheit gewesen war? Oder war es nur ein Glückstreffer gewesen? Ich hatte nächtelang wachgelegen und darüber nachgedacht. Es lässt mich nicht mehr los, es ist doch mein gutes Recht zu wissen, mit welcher Motivation sie diese alles verändernde Frage gestellt hatte.
Es ist also keine große Überraschung, dass mein erster Satz nach der Begrüßung „Warum hattest du mich gefragt, ob ich glücklich bin?“ lautet.
„Weil ich sehr glücklich war, bei dir zu sein. Du bist mein Glück.“

Und das ist sie, meine Antwort. Wo ich das Mehr in meinem Leben finde, mein Glück und überhaupt die Lebendigkeit: In mir und mit ihr. So nichtssagend diese Antwort vielleicht ist, mir gibt sie so viel. Vor allem gibt es mir etwas, dass Kai mir diese Antwort gegeben hat. Wir werden uns wieder treffen.

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