Montag, 12. November 2012

PI: Traumtänzerin 12

Geschrieben von petit Indien.

Vielleicht erkannte er das auch irgendwann. Dass ich mich, wenn ich mich denn entscheiden würde, immer gegen ihn entscheiden würde. Also entschied er vor mir.
Als ich eines Tages vom Strand zurückkehre, wartet er auf mich. Er sitzt in der Küche des kleinen Ferienhauses. Als ich eintrete, dreht er sich nicht einmal um, sondern sagt nur laut ein Wort:
„Ja.“
Ja, was? ‚Ja, alles was du willst’. ‚Ja, ich war einkaufen’ oder ‚Ja, wir sollten es beenden’?
Er sieht mich an, nickt und wiederholt: „Ja.“
Egal um was es geht, als er sich schließlich doch umdreht und das Zimmer an mir vorbei verlässt, fühle ich mich frei. Ja, ich darf. Ja, es ist meine Entscheidung und ja, ich bin frei. Dieses Ja höre ich.
Mit einem wilden Lächeln laufe ich zum Strand. In mir überschlägt sich alles. Ja. In meinem Körper wird Energie freigesetzt, ich kann nicht anders als lachend und weinend dazustehen und mir den Wind ins Gesicht blasen zu lassen. Ja. Ja, endlich frei. Wie Recht er hat, ja! Ich lasse den Wind die Schwere mit sich nehmen, lasse ihn meine Haare zerzausen, bis sie mit dem Wind fliegen. Frei. Die Entscheidung ist endlich gefällt, ja. Ich bin frei. Mein Herz rast wie verrückt.
Jetzt, da ich diese Linie übertrete, ändert sich etwas in mir. Plötzlich kann ich nicht mehr aufhören, an Kai zu denken. Mir ist der Strand plötzlich zu leise, zu einsam. Ich rufe mir allerlei Momente mit ihr in den Kopf. Kai. Beim Gedanken an sie habe ich zwei Bilder von ihr in mir: Die eine Kai ist immer lachend, strahlend, frei. Die andere ist schwerer, dunkler, tiefer, jedoch... anziehend auf eine Art und Weise, die ich wohl selbst nicht verstehe. Der Wunsch, dass sie noch immer auf mich wartet, erwacht in mir. Das schlechte Gewissen ihm gegenüber verblasst.

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