Freitag, 31. August 2012

SC: Städte aus Rubin

Geschrieben von Soleila Charbon.


Ich höre dein Lachen, es klingt wie
Sommernachtswein
Es perlt deine Lippen hinab,
rote, zarte Tropfen, schimmernd
Ein Fremder würde meinen, es sei Blut,
so kostbares.
Ich höre dein Lachen, es klingt wie
Bittermondhonig
Ich seh‘ es zerfließen,
silberner Nektar schmilzt an deinen Fingerspitzen,
doch wenn ich leise davon koste ist es -
nicht golden süß
besteht ganz und gar aus Löwenzahnmilch.
Ich höre dein Lachen, es klingt wie
Der Duft der Morgenmohnblumen
schwer drückt es auf deine Lider aus schwarzer Seide
entweicht im letzten Augenblick
zwischen deinen federnen Wimpern
Ich höre dein Lachen
Ich höre es
Ich schmecke es
butterhimmelweich, grünseenbrauntief
Es kitzelt mich im Nacken,
mit Saiten aus Samt,
streift meine Füße, nebeltauflüchtig und doch wolkenbruchsicher
es hält mich fest dein Lächeln und reißt mich fort,
fort in Städte aus Rubin
und Träume aus Nachtglut
doch zuletzt zaubert dein Lächeln mein glitzerndes Glück
Denn es huscht über meine Lippen.


Sonntag, 26. August 2012

SC: Jubel ist Glück

Geschrieben von Soleila Charbon.

Jubel ist Glück
Eine wichtige Essenz des Glücks ist der Optimismus.
Wenn aber der Optimismus so lange fehlt, verschlungen wird von Sorgen,
verworrenen Ängsten, der Furcht, sich selbst zu verlieren;
Wenn über lange
Zeit plötzlich nur noch einer Herr über dich ist: Der Pessimismus.
Wenn er auf dem Thron deiner Gedanken, deiner Gefühle sein
Zepter schwingt;
Oder zumindest ein launischer Ratgeber ist,
so ist es ein wahres,
jubelndes
Glücksgefühl, zart und wild zugleich –
Wenn der Optimismus zurückkehrt, ein stürmendes Pferd
Mit wehender Mähne aus Hoffnung, stolz
Weil du plötzlich wieder weißt
Wer du bist.



Mittwoch, 22. August 2012

SC: Glücksmusik

Geschrieben von Soleila Charbon.


Glücksmusik


Wenn ich singe
bricht alles aus mir hervor,
aller Schmerz
alle Sorgen
alle Hoffnungen.
Alle Gedanken.
Alle Träume.
Alle Ängste.
Sie zerfließen mit jedem Ton zu
Luft und Klang
zu Schall und Rauch,
strömen aus mir hinaus
und in die Worte,
die Welten des Liedes hinein.

Wenn ich singe,
fühle ich so viel,
aber ohne Denken und das -
macht sorgenfrei

                  für einen Moment der Schwebe


Wenn ich singe
bleibt die Zeit stehen,
nur im Lied läuft sie weiter
nach anderen Gesetzen.

Wenn ich singe
ist mein Körper ein Instrument
mein Geist nur Musik.

Wenn ich singe
höre ich nicht die Stimmen anderer.
Nicht meine Stimme.
Ich höre in mein aller-Innerstes.

Wenn ich könnte,
würde ich aus meinem Leben
ein einziges Lied machen,
dann wäre es aus reinem, leuchtenden Glück.
Doch jedes Lied hat ein Ende -
                                                 - jedes Glück hat sein Ende.

Wenn es im Leben so einfach wäre, sein Glück zu finden,
so einfach, wie das Finden des ersten Liedtons.

Samstag, 18. August 2012

SC: Die etwas eigenwillige Hypothese der Gratwanderung

Geschrieben von Soleila Charbon.


Die etwas eigenwillige Hypothese der Gratwanderung 

 


Dass das Glück und sein Gegenstück sich so oft berühren, so oft Hand in Hand gehen, liegt daran, dass sie über einen Grat wandern, der auf der Linken (der Gefühlsseite) eine brodelnde, zischende, wabernde, intuitive Suppe hat, heiß und unberechenbar und zu seiner Rechten (der rationalen Seite) ein weites, klares, geordnetes aber ödes Feld liegt, kühl und kalkulierbar.

Zu sagen, die brodelnde Gefühlslava wäre das Glück, ist zu naiv, zu einfach. Doch auch die nachdenkliche Seite heißt genauso wenig Glück oder Unglück -
es ist der Geist, das menschliche Fühlen und Denken eines Menschen, der ständig über beiden Schluchten des Grates kreist und die Widersächlichkeit ihrer Natur lässt Unglück entstehen, ihre Harmonie aber Hoffnung, Lebensfreude und Liebe, alles, was das Glück zum Atmen braucht.

Pessimistische Menschen leben weniger unglücklich wie Optimistische. (Hat mal irgendein Philosoph, dessen Namen mir entfallen ist, erzählt) So unsinnig es zuerst klingen mag, so plausibel ist es letztendlich:
Die Hoffnung auf Glück zu ersticken beendet das Hin und Her, das Auf und Ab der Gefühle. Der Optimist aber, der so oft enttäuscht wird, kann gar nicht anders, als irgendwann in düstere Augenblicke, in Selbstmitleid zu versinken, auch wenn er es vielleicht nicht zugibt. Dennoch ist der Optimist voll (wenn auch oft blinder) Lebensfreude, der Pessimist aber löffelt täglich seine Schlaftabletten und Drogen aus negativer Einstellung, um das Glück, dessen baldige Abwesenheit ihn überfordern, ja zerschmettern würde, latent zu halten. Kein Unglück zu haben, heißt eben nicht automatisch, glücklich zu sein.

Und da jeder Mensch diese beiden Extreme vereint, mit dem Hang zum Einen oder anderen, gibt es theoretisch für jeden sein eigenes Lebensrezept. Nur ist dieses tief in einem Selbst vergraben, unter Nebeln und Wäldern aus zu erforschenden Selbst(er)kenntnis. Und oft straucheln wir auf dem schmalen Grat zwischen den zwei Welten, fallen und fallen und brauchen lange, um uns von diesem Sturz in solch ein Extrem zu erholen. Aber vielleicht werden wir mit der Zeit auch immer erfahrener was die Trittsicherheit angeht – mit der Zeit werden wir alle perfekte Bergsteiger und überqueren den schmalen Grat ohne zu Zögern, ohne ein Zittern, ohne zu Stolpern oder zu Fluchen. Aber nicht umsonst gibt es auch Freunde, deren Hand man beim Überschreiten ergreifen kann – ganz fest.

Dienstag, 14. August 2012

SC: Der Herr über das Glück

 Geschrieben von Soleila Charbon.


Der Herr über das Glück


Augenblicke, so glücklich, rasen vorbei

Schrecken und Unzufriedenheit haften dagegen allem an, breiten sich kriechend aus, in alle Ecken und Winkel

Verkleben Mund und Nase
zum Atmen

Augen um das Schöne und Helle zu sehen

Träufeln ihr Unglücksserum in die Ohren, betäuben sie
um nicht Hoffnungsmusik zu hören, sondern zwingen sie ins Delirium,
das gleichzeitig Realität ist, Realität aus Chaos
                                       Realität aus aufgezwängter Ordnung – 
 
Nur der Mund, mit seinen von Kälte und Verzweiflung zersprungenen Lippen und dem bitteren Geschmack der Einsamkeit, der Selbstzweifel auf der Zunge, bleibt frei und redet, redet nur um des Redens willen, verleiht den Silben Schönheit doch den Worten Hässlichkeit, speit und spuckt mit Trauer und Wut um sich, würde aber doch lieber das Glück aufsaugen und verschlingen, wie in einem alles verzehrenden Kuss.

Und so verliert alles Sinn
und erlangt ihn wieder nur wenige Momente später wieder, aus Gründen, die so unbegreiflich sind wie der Beginn der Welt, denn alles dreht sich
und dreht sich
und kreist um sich selbst
während die anderen behaupten es gäbe gar keinen Kreis, es gebe nur
Vierecke, aus geraden Linien, rechtwinklig, ordentlich.
Kein Wunder also, dass kreisende Gedanken nicht gehört werden.

Doch wer nur, wer ist das, der für die Dosierung der Zeit zuständig ist und das Glück so schnell vergehen lässt, das Düstere so in die Länge zieht? Der gleiche, der den Sommer verfliegen lässt und den Winter festfrieren lässt? Ein übermächtiges Wesen, eine Gottheit, das Schicksal?
Daran glaube ich nicht.
Ich glaube, dass ich das selbst bin.
Dass jeder einzelne das selbst ist – mit Gedanken voller Schwärze sein eigenes Glück in den Hintergrund drängen, die Schuld auf alle anderen schieben, die wohl für das Fehlen des eigenen Glücks verantwortlich sein müssen. Nein, wer nur düstere Gedanken hat, vertreibt sein eigenes Glück wie der Falke einen Schwarm Krähen. Doch kann man sein Glück bestimmen? Selten.
Glück ist kostbar, Glück ist zerbrechlich, Glück löst sich schneller in Luft auf als man „Gott“ nur sagen kann – das Glück liegt in der eigenen Hand. Also wenn es dort schon liegt, so sollte man es auch ergreifen -
Selbst wenn man es wieder lernen muss, das Sehen, Riechen, Schmecken und Hören des Glücks und nicht zuletzt das Sprechen vom Glück. Mit schönen Silben aber auch schönen Worten. Ja – mit schönen Sätzen! Vielleicht sogar, mit schönen Geschichten…

Freitag, 10. August 2012

SC: Das Sinnbild des Glücks

Geschrieben von Soleila Charbon.



Das Sinnbild des Glücks. Ein Hufeisen?

Aus glühendem,
dich verbrennenden Eisen geschmiedet,
dann kalt, starr, hart
bei Nässe rostend
durchsiebt mit Löchern?

Das Sinnbild des Glücks. Ein vierblättriges Kleeblatt?

Der Inbegriff der Enttäuschung,
da nirgends zu finden
lockt Bienen mit seinen Blüten
die meine Füße zerstechen.

Das Sinnbild des Glücks. Ein Schwein?

Grunzt,
sabbert,
schmatzt,
stinkt,
ist dreckverkrustet
und wir essen es als Schnitzel?

Das Sinnbild des Glücks. Ein Schornsteinfeger?

Voller Asche und Ruß,
schwarz und unheimlich
als wärs der Teufel höchstpersönlich,
robbt durch Schächte im Dunkeln?

Nene Leute, meine Sinnbilder für Glück sehen ganz anders aus:

Ein bunter VW-Bus
noch buntere Gummistiefel,
ein altes, bildschönes Klavier,
ein Sandkorn aus einer Wüste,
das Lachen eines Freundes,
dunkelgrüne Fingernägel,
Schwimmen im türkisen Meerwasser,
Waldduft,
der nächtliche Lagerlebenausblick vom Fünfknopfturm aus,
eine Pfauenfeder,
mein Lieblingslied,
Barfuß gehen im Schnee
– (die anderen 438.226 Sinnbilder sind aus Platzgründen leider nicht zu sehen)

Naja, zugegebenermaßen ist das Klappern von Pferdehufeisen, ein Blatt, das aus vier Herzen besteht und ein rosarotes Ferkelchen schon auch ganz nett. Nur das mit dem Schornsteinfeger, das werde ich wirklich nie verstehen. Ich wäre aber jedem verbunden, der es mir erklärt. Und noch verbundener, wenn ich eure Sinnbilder des Glücks erfahren darf :)



Montag, 6. August 2012

SC: Beinah

Geschrieben von Soleila Charon.


Beinah













Beglückt zu sein
Bedrückt zu sein
Entrückt zu sein
Verrückt zu sein
Beseelt zu sein
Gequält zu sein
Entflammt zu sein
Verbrannt zu sein
Angesteckt zu sein
Weggesteckt zu werden
Beherzt zu sein
Verschmerzt zu werden
Begeistert sein
Entgleist zu sein
Das Glück und sein Gegenteil
liegen so nah beisammen

wie Eis und Schnee
sind wie Feuer und Funke
wie Perlen und Murmlen
wie Ratten und Mäuse
wie Glut und Glanz
sie sind aus einem Element
doch sind sie nicht eins
sind Tag und Nacht
und doch zeitlos
verschmelzen zur Einheit?
Immer nur Beinah.

Mittwoch, 1. August 2012

SC: Aufrichten oder der Grashalm

 geschrieben von Soleila Charbon.

Aufrichten
      oder der Grashalm

Selbst wenn du
       - im größten Glück dich befindend - meinst,
stark genug für das kommende Unglück zu sein,
wenn es wieder kommt, wie eine anrollende Walze,
so plättet und überrollt es dich jedes Mal
                           aufs Neue!
wieder, und mit ihm gerät der Gedanke

      - der Grashalm -
des Glücks in Vergessenheit
wird fest in die Erde gepresst und braucht eine gewisse Zeit,
um sich wieder aufzurichten. 

  Aufzurichten und glücklich zu sein.


Nun lies von vorne.