Geschrieben von Soleila Charbon.
Die
etwas eigenwillige Hypothese der Gratwanderung
Dass
das Glück und sein Gegenstück sich so oft berühren, so oft Hand in
Hand gehen, liegt daran, dass sie über einen Grat wandern, der auf
der Linken (der Gefühlsseite) eine brodelnde, zischende, wabernde,
intuitive Suppe hat, heiß und unberechenbar und zu seiner Rechten
(der rationalen Seite) ein weites, klares, geordnetes aber ödes Feld
liegt, kühl und kalkulierbar.
Zu
sagen, die brodelnde Gefühlslava wäre das Glück, ist zu naiv, zu
einfach. Doch auch die nachdenkliche Seite heißt genauso wenig Glück
oder Unglück -
es ist der Geist, das menschliche Fühlen und Denken eines Menschen, der ständig über beiden Schluchten des Grates kreist und die Widersächlichkeit ihrer Natur lässt Unglück entstehen, ihre Harmonie aber Hoffnung, Lebensfreude und Liebe, alles, was das Glück zum Atmen braucht.
es ist der Geist, das menschliche Fühlen und Denken eines Menschen, der ständig über beiden Schluchten des Grates kreist und die Widersächlichkeit ihrer Natur lässt Unglück entstehen, ihre Harmonie aber Hoffnung, Lebensfreude und Liebe, alles, was das Glück zum Atmen braucht.
Pessimistische
Menschen leben weniger unglücklich wie Optimistische. (Hat mal
irgendein Philosoph, dessen Namen mir entfallen ist, erzählt) So
unsinnig es zuerst klingen mag, so plausibel ist es letztendlich:
Die Hoffnung auf Glück zu ersticken beendet das Hin und Her, das Auf und Ab der Gefühle. Der Optimist aber, der so oft enttäuscht wird, kann gar nicht anders, als irgendwann in düstere Augenblicke, in Selbstmitleid zu versinken, auch wenn er es vielleicht nicht zugibt. Dennoch ist der Optimist voll (wenn auch oft blinder) Lebensfreude, der Pessimist aber löffelt täglich seine Schlaftabletten und Drogen aus negativer Einstellung, um das Glück, dessen baldige Abwesenheit ihn überfordern, ja zerschmettern würde, latent zu halten. Kein Unglück zu haben, heißt eben nicht automatisch, glücklich zu sein.
Die Hoffnung auf Glück zu ersticken beendet das Hin und Her, das Auf und Ab der Gefühle. Der Optimist aber, der so oft enttäuscht wird, kann gar nicht anders, als irgendwann in düstere Augenblicke, in Selbstmitleid zu versinken, auch wenn er es vielleicht nicht zugibt. Dennoch ist der Optimist voll (wenn auch oft blinder) Lebensfreude, der Pessimist aber löffelt täglich seine Schlaftabletten und Drogen aus negativer Einstellung, um das Glück, dessen baldige Abwesenheit ihn überfordern, ja zerschmettern würde, latent zu halten. Kein Unglück zu haben, heißt eben nicht automatisch, glücklich zu sein.
Und da
jeder Mensch diese beiden Extreme vereint, mit dem Hang zum Einen
oder anderen, gibt es theoretisch für jeden sein eigenes
Lebensrezept. Nur ist dieses tief in einem Selbst vergraben, unter
Nebeln und Wäldern aus zu erforschenden Selbst(er)kenntnis. Und oft
straucheln wir auf dem schmalen Grat zwischen den zwei Welten, fallen
und fallen und brauchen lange, um uns von diesem Sturz in solch ein
Extrem zu erholen. Aber vielleicht werden wir mit der Zeit auch immer
erfahrener was die Trittsicherheit angeht – mit der Zeit werden wir
alle perfekte Bergsteiger und überqueren den schmalen Grat ohne zu
Zögern, ohne ein Zittern, ohne zu Stolpern oder zu Fluchen. Aber
nicht umsonst gibt es auch Freunde, deren Hand man beim Überschreiten
ergreifen kann – ganz fest.
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