Dienstag, 14. August 2012

SC: Der Herr über das Glück

 Geschrieben von Soleila Charbon.


Der Herr über das Glück


Augenblicke, so glücklich, rasen vorbei

Schrecken und Unzufriedenheit haften dagegen allem an, breiten sich kriechend aus, in alle Ecken und Winkel

Verkleben Mund und Nase
zum Atmen

Augen um das Schöne und Helle zu sehen

Träufeln ihr Unglücksserum in die Ohren, betäuben sie
um nicht Hoffnungsmusik zu hören, sondern zwingen sie ins Delirium,
das gleichzeitig Realität ist, Realität aus Chaos
                                       Realität aus aufgezwängter Ordnung – 
 
Nur der Mund, mit seinen von Kälte und Verzweiflung zersprungenen Lippen und dem bitteren Geschmack der Einsamkeit, der Selbstzweifel auf der Zunge, bleibt frei und redet, redet nur um des Redens willen, verleiht den Silben Schönheit doch den Worten Hässlichkeit, speit und spuckt mit Trauer und Wut um sich, würde aber doch lieber das Glück aufsaugen und verschlingen, wie in einem alles verzehrenden Kuss.

Und so verliert alles Sinn
und erlangt ihn wieder nur wenige Momente später wieder, aus Gründen, die so unbegreiflich sind wie der Beginn der Welt, denn alles dreht sich
und dreht sich
und kreist um sich selbst
während die anderen behaupten es gäbe gar keinen Kreis, es gebe nur
Vierecke, aus geraden Linien, rechtwinklig, ordentlich.
Kein Wunder also, dass kreisende Gedanken nicht gehört werden.

Doch wer nur, wer ist das, der für die Dosierung der Zeit zuständig ist und das Glück so schnell vergehen lässt, das Düstere so in die Länge zieht? Der gleiche, der den Sommer verfliegen lässt und den Winter festfrieren lässt? Ein übermächtiges Wesen, eine Gottheit, das Schicksal?
Daran glaube ich nicht.
Ich glaube, dass ich das selbst bin.
Dass jeder einzelne das selbst ist – mit Gedanken voller Schwärze sein eigenes Glück in den Hintergrund drängen, die Schuld auf alle anderen schieben, die wohl für das Fehlen des eigenen Glücks verantwortlich sein müssen. Nein, wer nur düstere Gedanken hat, vertreibt sein eigenes Glück wie der Falke einen Schwarm Krähen. Doch kann man sein Glück bestimmen? Selten.
Glück ist kostbar, Glück ist zerbrechlich, Glück löst sich schneller in Luft auf als man „Gott“ nur sagen kann – das Glück liegt in der eigenen Hand. Also wenn es dort schon liegt, so sollte man es auch ergreifen -
Selbst wenn man es wieder lernen muss, das Sehen, Riechen, Schmecken und Hören des Glücks und nicht zuletzt das Sprechen vom Glück. Mit schönen Silben aber auch schönen Worten. Ja – mit schönen Sätzen! Vielleicht sogar, mit schönen Geschichten…

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