geschrieben von Rabea L.
1.
Was ist das, was meine Aufmerksamkeit
so unaufhörlich anzieht? Ich kann meinen Blick gar nicht mehr davon
abwenden. Niemand außer mir scheint es zu bemerken, läuft daran
vorbei, tritt darauf, als wäre es nichts wert. Wie kann man so etwas
nur denken? Diese Banausen. Diese Welt heutzutage rennt nur so davon
und keiner scheint mehr daran zu denken, wie schön die kleinen Dinge
sind. Ich laufe nun direkt auf mein Lustobjekt zu, dem keiner
Beachtung schenkt. Ich fange an wie verrückt zu grinsen. Ob mich die
anderen für verrückt halten? Wobei, die anderen achten sowieso nur
auf sich und haben ihre Scheuklappen auf. Ich gehe in die Knie und
strecke meine Hand aus. Mein Grinsen wird immer breiter. Ich muss
schon fast aufpassen, dass ich nicht anfange zu kichern, so sehr
freue ich mich auf diese Kleinigkeit, die niemand für wichtig
erachtet. Meine Finger zittern ganz leicht, weil sie wissen, dass sie
gleich etwas ganz besonderes berühren werden, was sie nicht oft zu
spüren bekommen. Ich beiße leicht auf meine Unterlippe, da ich die
Freude noch etwas herauszögern will und dann hebe ich sie endlich
auf. Diese kostbare Münze. Diese kleine Münze, die man höchstens
einmal im Jahr findet und die einem unbeschreibliches Glück
verschaffen soll. Ich halte den Glückscent ganz fest in meiner Hand
und küsse die Finger, die den neuen Glücksbringer umschließen. Ich
kann gar nicht mehr aufhören zu lachen und fange an wie wild auf und
ab zu hüpfen, nachdem ich mich erhoben habe. Es ist mir egal, dass
mich die anderen Menschen anstarren. Zu viel Abgedrehtheit ist wohl
auch für diese sturen Zugpferde zu viel, dass sie anhalten und
beschließen mich anzugaffen. Ich bin wohl interessant. Ein Teenager,
in nicht ganz normalen Klamotten, der etwas vom Boden aufhebt und
sich dann wie wild freut. Ich merke erst jetzt, dass man mich nicht
belustigt anschaut. Die Gesichter in die ich blicke sind besorgt.
Warum wohl? Ein paar Personen zücken ihre Mobiltelefone. Ich
verstehe nichts mehr. Mein Lächeln verschwindet dennoch nicht aus
meinem Gesicht. Ich habe immer noch meine Münze und das ist die
Hauptsache. Ich verstehe zwar nicht, was hier gerade vor sich geht,
aber es ist mir auch egal. Sie zeigen auf mich und tuscheln. Hmm.
Ich schaue an mir herab. Auf einmal wird mir so einiges klar. Ich
blute. Überall an mir hängt Blut. Ich bin voll davon. Diese
wunderbare, tolle Kleinigkeit ist scharf und schneidet mir in die
Hand. Ich halte sie wohl so fest, dass sie mir ins Fleisch
geschnitten hat. Meine Euphorie hat das ganze überdeckt. Der Schmerz
ist immer noch nicht schlimm. Er gefällt mir auf eine merkwürdige
Weise. Ich lecke mir das Blut von meinem Arm und der metallene
Geschmack macht mich wild. Ich fange an zu glucksen. Die Leute um
mich herum schauen mich irritiert und eingeschüchtert an. Ich lächle
sie an und nähere mich einem älter aussehendem Herren. „Na wollen
sie auch mal probieren?“ Ich strecke ihm meine Hand hin. Die
Glücksmünze ist mir mittlerweile egal. Mein Grinsen ist so breit,
dass mir die Mundwinkel schmerzen. Der Mann weicht einen Schritt
zurück, geht aber nicht ganz weg. Nett von ihm. Er versucht mich
aufmunternd anzulächeln, hat aber zu große Angst. Ich bleibe
stehen. Ich lege meine Kopf leicht schräg und funkle ihn mit meinen
strahlenden Augen an. Auf einmal höre ich Sirenengeheule. Es kommt
näher und näher, bis es seinen Standort behält. Die mich umgebene
Menschenmasse scheint erleichtert zu sein, vor allem aber mein alter
Herr. Er weicht noch einen Schritt nach hinten aus, als wüsste er,
was gleich passiert.
Sehr spannend.. vor allem der erste Teil gefällt mir gut, wie man sich über Kleinigkeiten freuen kann, und wo die schöne, kindliche Freude dann plötzlich eine Grenze überschreitet und beginnt Angst zu machen. Schön, wie du diese Grenzregion umrissen hast. Ich bin gespannt auf die weiteren Kapitel!
AntwortenLöschen