Sonntag, 6. Mai 2012

RL: Glück 3

geschrieben von Rabea L.


3.
Nächster Morgen, nächste Medikamentendosis. Ich schaue die meisten Patienten böse an, damit sie nicht wagen mit mir zu sprechen. In einer Stunde ist Gruppentherapie und ich könnte kotzen. Eine Stunde blödes labern über seine Gefühle und ich bin auf jeden Fall dran, weil ich neu bin. Tick tack. Ich laufe zum Galgen. Die Tür geht auf, alle sitzen sie im Kreis und freuen sich auf die Therapie. Ich setze mich dazu und fange an zu lächeln. Da ist er wieder. Er starrt mich auch schon wieder an. Wie er wohl heißt? Ich werde es sicher erfahren. Es beginnt. Klar ich muss anfangen. „Raven, 17, ich habe mein Glück verloren.“ Er kommt nicht an die Reihe. Ich fange an zu heulen. War aber auch irgendwie klar. Ohne Münze kann es auch nichts werden. Ich fange an in den Gängen rumzulaufen, da stupst mich etwas von hinten an der Schulter an. Erneut durchzuckt mich ein Blitz. Ich drehe mich sofort um und lächle. Er lächelt diesmal auch und geht dann weiter. Ich bin ratlos. Er schaut über seine Schulter und winkt unauffällig mit einer Hand. Soll ich ihm etwa folgen? Ich bin sein Schatten und verstehe seinen Weg nicht. Er läuft Kreuz und quer immer wieder durch die gleichen Gänge. Bis wir draußen sind im Garten. Dort setzt er sich auf eine Bank. Ich bleibe wie angewurzelt stehen. Er schaut mich belustigt an. „Angst dich hinzusetzen oder überlegst du, ob du mich wieder schlagen sollst?“ Seine Stimme hatte etwas beruhigendes und doch fing ich an zu weinen. Er erschrak. „Gefühlsschwankungen...ist normal bei mir...“ Er nickt leicht, schaut mich aber dennoch schuldig an. Ich setze mich neben ihn. „Ich heiße Leovay. Schlägst du jeden, der dich anschaut?“ Ich fing an zu grinsen. „Nein du bist der erste. Aber du hast mich auch verfolgt, also war ich im Recht!“ Meine Stimme wurde etwas lauter. Er legte mir einen Finger auf dem Mund und schüttelte sanft den Kopf. Ich fühlte ein Kribbeln, wie ich es noch nie gespürt habe. Es durchfuhr meinen ganzen Körper. Warum sind seine Berührungen nur so magisch? „Du hast dein Glück verloren, hast du vorhin gesagt... was meintest du damit?“ Während er das sagt, bewegt er seine Hand auf meine unverletzte Hand und streichelt sie sanft. Eine sanfte röte steigt in mein Gesicht. „Ich-ich“ Er schaut mir direkt in die Augen und ich weiß nicht mehr, was ich sagen will. „Du?“ „Ähm ja ich hatte das Glück auf der Straße gefunden, doch dann bin ich wohl durchgedreht.“ Er schüttelt den Kopf. „Du bist nicht durchgedreht. Du bist für mich eine der normalsten hier.“ „Danke“ Ich weine wieder und er schaut schuldig zu Boden. Seine Hand streichelt immer noch meine. Ich weine deswegen nicht sehr lang. „Ich denke es war gut. Durch den Verlust des einen Glücks habe ich dich gefunden.“ Er schaut mich ungläubig an. Dann lächelt er. Auf einmal bemerke ich es. Er rückt näher an mich heran. Ein euphorisches Gefühl durchströmt mich. Ich schaue auf seine Lippen und schließe dann meine Augen. Mein Herz pocht wie verrückt, als seine Lippen meine berühren. Alle Gefühle strömen auf mich ein. Ich fühle alles gleichzeitig und doch fühle ich nur ihn. Die Liebe und das Glück, dass ich für einen Menschen empfinde, den ich erst seit ein paar Stunden kenne. Mit dem ich erst ein paar Worte gewechselt habe und mit dem ich mich doch so verbunden fühle. Als sich meine Augen wieder öffnen, löse ich den Kuss. Er sieht genauso zufrieden aus, wie ich mich fühle. Wir gehen gemeinsam zurück und reden die ganze Zeit. Wir beachten niemanden mehr außer uns. Es gibt nichts mehr in diesem Irrenhaus außer Leovay und mir. Er begleitet mich in mein Zimmer und die Schwester sagt nichts dagegen. Auch als er am Abend bei mir schläft macht das nichts. Es ist, als wäre alles ein wunderschöner Traum aus dem ich gleich erwachen werde, doch so ist es nicht. Ich schlafe in seinen Armen ein und habe seinen Duft, seinen perfekten Duft in der Nase.

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