Freitag, 11. Mai 2012

RL: Andersartigkeit

geschrieben von Rabea L.


Andersartigkeit

Ich war kein jemand.
War ein niemand.
Wobei ich durch meine Art verzweifelt nach Aufmerksamkeit schrie.
Ich wollte nicht irgendwer sein, der unsichtbar durch die Welt zieht und doch ging ich unter.
Überall Markenklamotten, Mitläufer und Musikrichtungsangezogene.
Niemand achtet auf Außenseiter.
Auf mich.
Jemand der anders ist, der versucht nur sich zu folgen ist kein jemand, ist ein niemand.
Viele gegen einen.
Man ist allein.
Keiner verstand meine Weltanschauung.
Verstand meine Erscheinung.
Verstand meine Art.
Verstand mich.
Ich habe überlegt mich zu ändern, mich zur Gleichartigkeit werden zu lassen.
Nein.
Ich suchte andere Andersartigkeit.
Bin gescheitert.
Habe mich verloren.
Dachte ich gehöre nicht auf diese Welt.
Ein Alien?
Vielleicht.
Ich wollte nur noch aufgeben.
Meine Seele auf eine andere Ebene tragen.
Eine bessere Welt muss es doch geben irgendwo im nirgendwo.
Die Rasierklinge schnitt mir in die Haut.
Tiefer und tiefer.
Ich spürte etwas ungespürtes.
Seltsame Gefühle nie davor gekannt.
Erkannte ein Art Liebe.
Liebe durch Empfinden.
Liebe im Schmerz.
Der Schmerz zeigte mein Innerstes.
Meine Einsamkeit.
Meine Andersartigkeit in der Gleichartigkeit der Welt.
Doch der Schmerz, die Liebe war nicht groß genug.
Ich blieb auf der untersten Ebene.
Konnte nicht loslassen.
Ging meine Wege.
Wege die keiner bereit war mit mir zu gehen.
Ich wollte endlich ankommen.
Ankommen.
Nur wo?
Ich wusste es nicht.
Das einzige was mir gewiss war, war das ich wohl nie ankommen werde.
Muss ich allein enden?
Einsam, verbittert, mit einem schwarzen Herzen in der Brust?
Ich sah es ein.
Dies war mein Schicksal.
Dieser Weg der Andersartigkeit führt in den Abgrund.
Meine Welt verdunkelte sich.
Wurde tief schwarz.
Kein Lichtschimmer.
Nichts.
Doch was ist das?
Eine Klang?
Eine Melodie?
Ein Lied?
Gar eine Stimme?
Es fand mich.
Mich in der Dunkelheit.
Ich möchte dich kennen, erkennen.
Ich will dich in deiner Andersartigkeit verstehen, verstehen wie niemand sonst.
Herrliche Worte, die mein Ohr nie vernommen hat.
Sollte ich ihr glauben, ihr der Person, die in meine Seele zu schauen scheint?
Auf Ewig auf der Suche nach einer anderen Andersartigkeit endlich angekommen?
Mich verloren und wiedergefunden?
Gefunden auf der Welt der Gleichartigkeit.
Mein Weg hat ein Ende.
Ein Ende mit ihr.
Ihr, der Anderen.
Der andersartigen Person.
Sie will meine Weltanschauung, meine Erscheinung, meine Art verstehen.
Ja, mich verstehen.
Mich die keine Person ist, die ein niemand ist.
Das Gefühl der Klinge kommt wieder in mir hervor.
Hervor wie nie zuvor.
Die Liebe des Schmerzes geht unter zu der Liebe zu der anderen.
Millionenfach verstärkt spüre ich sie nun.
Nie erwartet, doch darauf gewartet habe ich immer.
Sie wollte mich finden, nicht das Ende des Weges.
Nur sie, die Andersartigkeit.
Sie ist das Ziel gewesen.
Sie ergänzt mich, sie widerspricht mich.
Sie ist wie ich und doch ganz anders.
Sie spürt mich in jeder Einzelheit.
Jede Faser von mir offenbart sich ihr.
Wir werden ein und doch sind wir zu zweit.
Ihre Nähe, ihre Wärme, ihre Stimme durchdringt mich.
Erweckt mich.
Erquickt mich.
Lässt mich zum Höhepunkt kommen.
Ja. Ja. Ja!
Wir, sie und ich, sind vereint.
Andersartigkeit und Andersartigkeit wird Zweisamkeit, gar Gleichartigkeit.
Ich war kein jemand, ein niemand.
Ich zerstörte mich, wollte nicht mehr ich sein.
Wollte mich anpassen.
Doch diese Zweisamkeit, Gleichartigkeit verführte mich.
Zeigte mir mein wahres Gesicht.
Sie liebt dieses Gesicht.
Mein Gesicht und nicht die Maske, die jeder andere auf der untersten Ebene, der Welt trägt.
Mein Gegenpol offenbarte sich.
Offenbarte sich mir.
Sie machte aus zwei eins.
Jetzt bin ich kein niemand, ich bin jemand.
Ihr jemand.

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