Donnerstag, 17. Mai 2012

RL: Monotonie

geschriebe von Rabea L.


Monotonie

Jeden Tag das gleiche.
Aufstehen, Essen, Schule, Essen, Hausaufgabe, Essen, irgendwas, schlafen.
Ich bin eine Maschine in einem System.
In einem kranken System, dass jeden Menschen gefangen hält.
Keiner kann entkommen, jeder ist im Netz des Staates.
Schule ist Pflicht.
Sie lässt den Kreislauf der Monotonie in Gang kommen.
Sie lehrt mich nichts fürs Überleben sondern nur fürs Leben.
Sie gibt mir den Takt, ordnet mein Leben, ob ich es will oder nicht.
Aufstehen, Essen, Schule, Essen, Hausaufgabe, Essen, irgendwas, schlafen.
Essen muss wohl sein.
Doch wer hat mir vorgeschrieben dreimal am Tag dieser überflüssigen Beschäftigung nachzugehen? Die Gesellschaft.
Eins Frühstück.
Zwei Mittagessen.
Drei Abendessen.
Warum die Zahl drei?
Warum nicht nur zweimal oder gleich viermal?
Immer zeigt es sich bei uns in der Welt.
Es geht immer um drei Dinge im Leben.
Gott, Sohn und heiliger Geist.
Ein flotter Dreier um mal etwas neues auszuprobieren.
Die dämlichen Trilogien-Filmen die gezwungener Maßen auf die heilige Zahl 3 gebracht werden. Meine Beispiele sind auch drei.
Die Zahl scheint wohl verhext.
Aber es heißt ja auch aller guten Dinge sind drei!
Also müssen meine Mahlzeiten wohl auch drei betragen.
Aufstehen, Essen, Schule, Essen, Hausaufgabe, Essen, irgendwas, schlafen.
Ein Zeitvertreib muss auch sein.
Jeder macht was um die kleine Freizeit, die einem bleibt auszunutzen.
Doch in Wahrheit wird sie nur vergeudet.
Die heilige Zeit zwischen Essen und schlafen wird nie so gebraucht, dass ich eine vollendete Befriedigung erlebe.
Nichts schafft mir einen Höhepunkt.
Ich verbringe diese Zeit mit unbedeutenden Dingen.
Telefonieren.
Chatten.
Musik hören.
Doch nichts schafft es den Durchbruch zu erzielen.
Alles bleibt im Takt.
Nichts ändert die Monotonie.
Nichts befreit mich.
Aufstehen, Essen, Schule, Essen, Hausaufgabe, Essen, irgendwas, schlafen.
Und dann kommt die Zeit an der wir denken, diesem Zwang den gar auszumachen.
Das heiß ersehnte Wochenende.
Schulfrei.
Keine Arbeit.
Keine Aufgaben zu erledigen.
Doch in Wahrheit ändert sich nichts.
Es fällt nur etwas weg, aber nichts neues kommt hinzu.
Aufstehen, Essen, irgendwas, Essen, irgendwas, Essen, irgendwas, schlafen.
Nur das Nutzlose tun für die Zeitüberbrückung wird länger.
Um einiges länger.
Man kommt sich nutzlos vor.
Ich will nur etwas erschaffen.
Ich schaffe aber nichts.
Der Zeitdruck unterdrückt mich.
Diese ewige Zeitschleife ermordet meine Kreativität.
Aus dem irgendwas wird eine Schaffenskrise.
Ein Nutzlos fühlen entsteht.
Ich fühle mich ausgelaugt.
Unwichtig.
Nur ein Rad in der Maschine.
Nach diesem ach so tollen Wochenende, was mich in meinem Trott nur gewisser gemacht hat, folgt wieder ein Montag, der meine Seele auffrisst.
Aufstehen, Essen, Schule, Essen, Hausaufgabe, Essen, irgendwas, schlafen.
Ich versuche zu entkommen.
Dem System zu entfliehen.
Doch wo ist nur der Ausgang?
Das große, leuchtende EXIT-Schild?
Ich suche mich um.
Erkenne die ganzen Zombies um mich herum.
Die Marionetten der Zeit.
Jeder macht das gleiche ohne es zu merken.
Kleine Abwandlungen sind der einzige Unterschied.
Im Grunde sind wir jedoch alle gleich.
Ich hasse es.
Ich will das nicht mehr.
Aufstehen, Essen, Schule, Essen, Hausaufgabe, Essen, irgendwas, schlafen.
Mein ganzes Leben ist vorbestimmt.
Alles ist eintönig.
Nichts kann ich machen um etwas neues hervorzubringen.
Muss man erst älter werden um der Monotonie den gar auszumachen?
Es scheint so, denn nur so kann ich die Schule abschütteln.
Ich will älter werden, doch da fällt mir auf, dass ich hier wieder nicht allein bin.
Jeder will älter werden.
Ich warte und warte.
Jahre mit meinem vorgeschriebenen Takt vergehen.
Ich komme endlich an.
Werde hoffentlich an meinem Höhepunkt ankommen und endlich Befriedigung verspüren.
Dann die Erkenntnis.
Eine neue Lebensmelodie stellt sich ein.
Aufstehen, Essen, Arbeit, Essen, Arbeit , Essen, irgendwas, schlafen.
Ich will nur noch ausbrechen.
Ich halte dieses Leben, diese Eintönigkeit, diese Monotonie nicht mehr aus.
Was soll ich nur tun.
Ich schaue mich um und erkenne, dass ich die Einzige auf der Welt bin, die dieses Problem erkennt. Alle werden von einem seidenen Faden gezogen.
Das will ich nicht mehr.
Ich nehme ein Messer und schneide ihn durch.
Durchbreche die Monotonie.
Durchbreche die Lebensmelodie.
Nun spüre ich Befriedigung.
Das ist mein Höhepunkt.
Ich bin endlich frei.
Kein Aufstehen, Essen, Schule, Essen, Hausaufgabe, Essen, irgendwas, schlafen mehr.
Doch als ich dieses Glücksgefühl endlich erreicht habe, erkenne ich, dass es vorbei ist.
Mein Takt schlägt nicht mehr und mit ihm mein Herz.
Ich gehe ins nichts über und verstehe endlich, dass das Leben lebenswert ist.
Hier herrscht nur noch.
Nichts, nichts, nichts und noch mehr nichts.

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