2.
Ich wache auf. Mein Kopf tut höllisch
weh. Ich sehe mich um und merke, dass ich in einer Art Krankenhaus
bin, denke ich zumindest. Aber warum kann ich mich dann nicht
bewegen? Ich hebe meinen Kopf an und da sehe ich es. Meine Hände,
die eine ist verbunden worden, sind an das Bett gefesselt. Wer macht
so was? Bin ich etwa im Irrenhaus? Ich, ein ganz normales 17 jähriges
Mädchen? Ich fange an zu schreien. Einen einzigen, durchgehenden
Ton. Die Tür geht auf und eine Schwester kommt rein. Sie lächelt
nur und hält eine Spritze in der Hand. „Das wird dich erst mal
beruhigen.“ Ich schaue sie panisch an, höre aber von selbst auf zu
kreischen. „Ich benötige keine Medikamente um ruhig gestellt zu
werden. Genauso wie ich nicht ans Bett gefesselt werden muss. Könnte
ich bitte erfahren, was hier los ist?“ Die Schwester schaut mich
ganz ruhig an und nickt sanft. „Gleich kommt ein Arzt.“ Nach
diesen Worten verlässt sie einfach das Zimmer und lässt mich
gefesselt allein. Ich fühle mich einsam und verlassen. Mein Blick
wandert durch das sterile Zimmer und wandert zu meiner verletzen
Hand. Mein Glück ist verloren und nun bin ich hier. Ich fange an zu
weinen, ich kann gar nicht mehr damit aufhören. Wie kann ich nur
ohne diese Kleinigkeit weiterleben? Die Tür öffnet sich wieder. Ein
Mann im weißen Kittel tritt herein, kommt zu mir, schaut mich an,
öffnet meine Fesseln. „Es tut mir Leid. Vorsichtsmaßnahmen. Geht
es ihnen besser Frau...?“ Ich betrachte ihn mit feuchten Augen.
„Sagen sie gefälligst du...und sie wissen bestimmt wie ich heiße!“
Er lächelt leicht. „Okay, sie wissen wo sie sind, nehme ich an,
Raven? Sie hatten einen Nervenzusammenbruch und starke
Stimmungsschwankungen. Sie sind auf Beobachtung hier zu ihrem
Selbstschutz. Sie dürfen auf dem Gelände spazieren gehen und
bekommen zu jeder Mahlzeit Medizin. Jeden zweiten Tag haben sie eine
Einzelsitzung bei mir und jeden Tag ist Gruppentherapie. Wenn sie
weitere Fragen haben, wenden sie sich an das Pflegepersonal oder an
andere Patienten“ Er dreht sich einfach um und geht. Am liebsten
hätte ich ihm mit irgendetwas beworfen. Ich und
Stimmungsschwankungen? Der spinnt wohl? Da fällt mein Blick wieder
auf meine verletzte Hand und sofort schießen mir Tränen in die
Augen. Das verlorene Glück. Egal. Ich muss ohne es weiterleben.
Scheiße. Meine Eltern denken jetzt, dass ich verrückt bin. Ich
sollte sie anrufen und sie vom Gegenteil überzeugen. Obwohl, dass
machen die Spinner doch immer. NEIN ICH BIN NICHT VERRÜCKT! GLAUBT
MIR! Erst mal mit der Umgebung vertraut machen. Ich stehe auf und
verlasse meine kleine Privatzelle. Ich komme in einen normalen Flur.
Erinnert mich an – einer flog übers Kuckucksnest – überall
Patienten, die mit sich zu reden scheinen. Aber irgendwie sind sie
anders. Sie betrachten mich schüchtern und wenden sofort den Blick
ab, wenn sie merken, dass ich ihren Augenkontakt erwidere. So geht es
auf den anderen Gängen weiter. Nur ist da etwas. Ein Blick im
Nacken. Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich verfolgt werde.
Okay, hier dieses Gefühl zu bekommen dürfte nicht schwer sein. Ich
drehe mich nach jeder Ecke um, um nachzusehen, ob da etwas ist, doch
da ist niemand. Verrückt... Das Gelände ist auch nichts anderes als
ein kleiner Sportplatz mit angeschlossenem Garten und wie soll es
anders sein. Alles ist eingezäunt. Ich dachte, ich bin zu meinem
Selbstschutz da. Kann ich hier raus, wenn ich will? Muss ich
nachfragen, aber wohl eher nicht. Aber eigentlich hab ich nichts
getan. Schon wieder dieses Gefühl beobachtet zu werden. Ich drehe
mich um und da ist er. Er steht einfach nur da und starrt mich
seelenruhig an. Ich kann es nicht fassen. Ich renne auf ihn zu und
verpasse ihm eine. „Was soll der scheiß?“ Sein Blick ist immer
noch ganz ruhig, sowie sein Atem. „Kannst du mir sagen, warum du
mich so angaffst?“ Meine Wut staut sich nur so in mir. Meine Hand
ballt sich zur Faust. Ich gehe noch einen Schritt auf ihn zu. „Was
soll das?!“ Er zuckt mit den Schultern und streicht mir eine
Haarsträhne aus dem Gesicht. Seine Berührung durchzuckt mich wie
ein Blitz. Sie kam so plötzlich und war so unerwartet sanft. Ich
senke meinen Blick und schaue zu Boden. „Es tut mir Leid.“ Ich
sehe nur wie er mir den Rücken zu wenden und verschwindet.
Ich bin an diesem Tag noch 3mal vor Wut
ausgeflippt, habe 5mal geweint und 4 hysterische Lachkrämpfe gehabt.
Ich bin zu Recht hier im Irrenhaus. Benebelt wegen der Medikamente
und einsam. Aber ich denke an ihn. Ich habe niemanden nach ihm
gefragt. Ich habe es nicht so mit dem Vertrauen.
Ich fühle mich beim Lesen total in diese Situation versetzt und will unbedingt weiterlesen!Tolle Geschichte, toller Schreibstil! Respekt!:) lg
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