Freitag, 4. Mai 2012

RL: Glück 2

geschrieben von Rabea L.


2.

Ich wache auf. Mein Kopf tut höllisch weh. Ich sehe mich um und merke, dass ich in einer Art Krankenhaus bin, denke ich zumindest. Aber warum kann ich mich dann nicht bewegen? Ich hebe meinen Kopf an und da sehe ich es. Meine Hände, die eine ist verbunden worden, sind an das Bett gefesselt. Wer macht so was? Bin ich etwa im Irrenhaus? Ich, ein ganz normales 17 jähriges Mädchen? Ich fange an zu schreien. Einen einzigen, durchgehenden Ton. Die Tür geht auf und eine Schwester kommt rein. Sie lächelt nur und hält eine Spritze in der Hand. „Das wird dich erst mal beruhigen.“ Ich schaue sie panisch an, höre aber von selbst auf zu kreischen. „Ich benötige keine Medikamente um ruhig gestellt zu werden. Genauso wie ich nicht ans Bett gefesselt werden muss. Könnte ich bitte erfahren, was hier los ist?“ Die Schwester schaut mich ganz ruhig an und nickt sanft. „Gleich kommt ein Arzt.“ Nach diesen Worten verlässt sie einfach das Zimmer und lässt mich gefesselt allein. Ich fühle mich einsam und verlassen. Mein Blick wandert durch das sterile Zimmer und wandert zu meiner verletzen Hand. Mein Glück ist verloren und nun bin ich hier. Ich fange an zu weinen, ich kann gar nicht mehr damit aufhören. Wie kann ich nur ohne diese Kleinigkeit weiterleben? Die Tür öffnet sich wieder. Ein Mann im weißen Kittel tritt herein, kommt zu mir, schaut mich an, öffnet meine Fesseln. „Es tut mir Leid. Vorsichtsmaßnahmen. Geht es ihnen besser Frau...?“ Ich betrachte ihn mit feuchten Augen. „Sagen sie gefälligst du...und sie wissen bestimmt wie ich heiße!“ Er lächelt leicht. „Okay, sie wissen wo sie sind, nehme ich an, Raven? Sie hatten einen Nervenzusammenbruch und starke Stimmungsschwankungen. Sie sind auf Beobachtung hier zu ihrem Selbstschutz. Sie dürfen auf dem Gelände spazieren gehen und bekommen zu jeder Mahlzeit Medizin. Jeden zweiten Tag haben sie eine Einzelsitzung bei mir und jeden Tag ist Gruppentherapie. Wenn sie weitere Fragen haben, wenden sie sich an das Pflegepersonal oder an andere Patienten“ Er dreht sich einfach um und geht. Am liebsten hätte ich ihm mit irgendetwas beworfen. Ich und Stimmungsschwankungen? Der spinnt wohl? Da fällt mein Blick wieder auf meine verletzte Hand und sofort schießen mir Tränen in die Augen. Das verlorene Glück. Egal. Ich muss ohne es weiterleben. Scheiße. Meine Eltern denken jetzt, dass ich verrückt bin. Ich sollte sie anrufen und sie vom Gegenteil überzeugen. Obwohl, dass machen die Spinner doch immer. NEIN ICH BIN NICHT VERRÜCKT! GLAUBT MIR! Erst mal mit der Umgebung vertraut machen. Ich stehe auf und verlasse meine kleine Privatzelle. Ich komme in einen normalen Flur. Erinnert mich an – einer flog übers Kuckucksnest – überall Patienten, die mit sich zu reden scheinen. Aber irgendwie sind sie anders. Sie betrachten mich schüchtern und wenden sofort den Blick ab, wenn sie merken, dass ich ihren Augenkontakt erwidere. So geht es auf den anderen Gängen weiter. Nur ist da etwas. Ein Blick im Nacken. Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich verfolgt werde. Okay, hier dieses Gefühl zu bekommen dürfte nicht schwer sein. Ich drehe mich nach jeder Ecke um, um nachzusehen, ob da etwas ist, doch da ist niemand. Verrückt... Das Gelände ist auch nichts anderes als ein kleiner Sportplatz mit angeschlossenem Garten und wie soll es anders sein. Alles ist eingezäunt. Ich dachte, ich bin zu meinem Selbstschutz da. Kann ich hier raus, wenn ich will? Muss ich nachfragen, aber wohl eher nicht. Aber eigentlich hab ich nichts getan. Schon wieder dieses Gefühl beobachtet zu werden. Ich drehe mich um und da ist er. Er steht einfach nur da und starrt mich seelenruhig an. Ich kann es nicht fassen. Ich renne auf ihn zu und verpasse ihm eine. „Was soll der scheiß?“ Sein Blick ist immer noch ganz ruhig, sowie sein Atem. „Kannst du mir sagen, warum du mich so angaffst?“ Meine Wut staut sich nur so in mir. Meine Hand ballt sich zur Faust. Ich gehe noch einen Schritt auf ihn zu. „Was soll das?!“ Er zuckt mit den Schultern und streicht mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Seine Berührung durchzuckt mich wie ein Blitz. Sie kam so plötzlich und war so unerwartet sanft. Ich senke meinen Blick und schaue zu Boden. „Es tut mir Leid.“ Ich sehe nur wie er mir den Rücken zu wenden und verschwindet.

Ich bin an diesem Tag noch 3mal vor Wut ausgeflippt, habe 5mal geweint und 4 hysterische Lachkrämpfe gehabt. Ich bin zu Recht hier im Irrenhaus. Benebelt wegen der Medikamente und einsam. Aber ich denke an ihn. Ich habe niemanden nach ihm gefragt. Ich habe es nicht so mit dem Vertrauen.

1 Kommentar:

  1. Ich fühle mich beim Lesen total in diese Situation versetzt und will unbedingt weiterlesen!Tolle Geschichte, toller Schreibstil! Respekt!:) lg

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