geschrieben von CarinA
4. Kapitel
„Ich geh nur mal schnell eine rauchen!“, ruft Mark seinem Cousin Luca zu. Mark ist froh, ein wenig herauszukommen. Er war es langsam satt, den ganzen Tag gute Laune vorzuspielen, und das nur, weil sein Cousin heiratete. Natürlich freute er sich für das Brautpaar, doch war es im Moment für ihn nicht so leicht, sich für andere zu freuen. Er war so in Gedanken, dass er gar nicht bemerkte, wie er in der Tür fast mit einer jungen Frau zusammenstieß. Draußen angekommen zündete er sich seine Zigarette an und genoss den ersten Zug. Im Augenwinkel sah er, wie jemand näher kam. Mark sah sich um und blickte in die Augen der Braut. Er lächelte sie an: „Na, auch mal ein bisschen die Ruhe hier genießen?!“ Claire nickte. „Ja, und ein bisschen den Gedanken nachhängen…“ „Gedanken nachhängen? Hört sich ja nicht gerade nach einer glücklichen Braut an.“ Claire schüttelt den Kopf. „Nein, nein, ich bin schon glücklich. Aber meine Freundin hat gerade etwas gesagt, was mich nachdenklich gemacht hat.“ Mark schaut sie ein wenig irritiert an. „Was hat sie denn gesagt?“ Claire lächelt. „Sie sagte: Glück ist für mich, wenn du genau derjenige sein willst, der du bist und Momente einfach so wunderschön sind, dass du abends zum Fenster rausschaust, Sternschnuppen siehst und dir einfach nur wünscht, dass sie wieder kommen. So hab ich Glück noch nie gesehen. Für mich ist Glück, dass ich Luca getroffen habe oder solche Zufälle, bei denen man sagt: Oh, da hatte ich aber Glück! Aber das ist doch schön, wenn man auch einfach so sagen kann, dass man glücklich ist, auch wenn einem nichts sonderbares passiert ist, sondern man einfach nur man selbst ist, oder?“ Mark fängt an zu lachen. „Ach, in so was bin ich nicht gerade der richtige Ansprechpartner! Vor allem weil ich eh nie Glück habe!“ Claire schaut ihn irritiert an. „Aber wieso denn? Jeder Mensch hat doch einmal Glück!“ Mark schüttelt den Kopf. „Schau mich doch mal an. Ich bin doch sozusagen vom Pech verfolgt. Erst trennt sich meine Freundin von mir, dann verliere ich meinen Job. Als Folge muss ich mein schönes Auto verkaufen und auf ein billigeres umsteigen. Demnächst muss ich dann noch in eine kleinere Wohnung ziehen! Also unter Glück versteh ich wirklich was anderes!“ Claire blickt ihn schockiert an. „Von alldem wusste ich ja gar nichts, da hat Luca nichts davon erzählt!“ „Luca weiß auch noch nichts davon. Ich habe es bis jetzt noch niemanden erzählt.“ „Aber du hast doch bestimmt bald wieder Glück und kannst dann wieder glücklich sein!“ Die Braut lächelt ihn ermutigend an. Mark schmunzelt. „An das Glück glaub ich momentan nicht so. Aber wer sagt denn, dass ich nicht glücklich bin? So ab und an bin ich trotzdem noch glücklich, auch wenn ich kein Glück habe!“ „Aber wenn man kein Glück hat, dann kann man doch auch nicht glücklich sein, also ich zumindest nicht! Da muss man doch unglücklich sein.“ „Nö, unglücklich nicht! Das kann ich nicht sein!“ Claire blickt in den Sternenhimmel. „Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Wenn ich mir mein jetziges Leben ohne Luca vorstelle – ich glaub, ich könnte nicht glücklich sein.“ „Doch, das könntest du schon. Wenn du ihn nie getroffen hättest, dann wüsstest du ja nicht, dass du noch glücklicher sein könntest. Ich glaube, dann wärst du trotzdem glücklich!“ Claire denkt einen Augenblick über Marks Worte nach. „Hm, ja vielleicht hast du Recht. Irgendwie kann bestimmt jeder Mensch glücklich sein.“ Mark nickt zustimmend. Plötzlich hören sie aus dem Saal jemanden rufen. Nach einigen Augenblicken kommt Lilly heraus und als sie die Braut erblickt, sieht sie erleichtert aus. „Da bist du ja. Ich such dich schon überall, ich dachte nicht, dass du immer noch hier draußen bist. Luca sucht dich schon. Du sollst zu ihm kommen, irgendwelche Gäste wollen sich verabschieden!“ Claire schaut Mark noch einmal an. „Ich drücke dir die Daumen, dass alles wieder so wird, wie du es dir wünscht. Und glaub mir: du wirst auch noch dein großes Glück finden!“ Sie lächelt ihn noch ein letztes Mal ermutigend an und verschwindet in Richtung Saal. Mark atmet tief durch, dreht sich um und lächelt Lilly an. Die beiden genießen noch einen kurzen Moment schweigend den Sternenhimmel, bevor sie gemeinsam zurück zur Hochzeitsfeier gehen….
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