1. Kapitel
Als kleines
Mädchen fragte ich einmal meine Mutter: „Was ist eigentlich
Liebe?!“ Sie antwortete: „Liebe ist, wenn man ganz großes Glück
hat und eine besondere Person trifft!“ Ich stellte mich zwar mit
dieser Antwort zufrieden, hatte aber keine Ahnung, was sie damit
meinte. Besondere Person? Meine Kindergartenfreundin Marie war auch
besonders, sie gab mir jeden Tag einen Schokoriegel. Aber deswegen
war es doch noch keine Liebe zwischen uns. Doch mit 17 Jahren wusste
ich dann endlich was meine Mutter meinte. Und genau an dieser Stelle
möchte ich mit der Geschichte beginnen, nämlich mit meinem Leben,
dass sich mit meinem 17 Geburtstag schlagartig änderte…
„Mama,
wo ist denn mein Jeansrock schon wieder? Und das rote T-Shirt? Das
hab ich doch schon vor zwei Wochen zum Waschen getan, das müsste
doch längst wieder im Schrank sein!“ So war das immer bei mir zu
Hause, genau dann, wenn ich ein Teil unbedingt brauchte, dann war es
mit Garantie immer noch nicht gewaschen. Aber ich brauchte doch das
rote unbedingt, an diesem Tag war doch meine Geburtstagsparty. „Schau
noch mal genauer nach in deinem Chaos-Schrank, das muss schon drinnen
sein!“, rief mir meine Mutter zu. Tatsächlich, in der hintersten
Ecke lag es. Ich schnappte es mir und zog mich ins Badezimmer zurück.
Ich ließ mir schön viel Zeit unter der Dusche und auch danach beim
Schminken und der Gestaltung meiner Haare. Man wurde schließlich nur
einmal 17 in seinem Leben, und das konnte ich auch noch mit meinen
Freunden in München feiern. München, die Partystadt schlechthin in
Bayern. In unserem Kaff hätte ich das ja vergessen können, meinen
Geburtstag so richtig zu feiern. Um kurz vor sieben war ich dann
endlich fertig und kurz darauf startete ich auch schon Richtung
Bahnhof durch. Dort angekommen, sah ich auch schon von weitem meine
Freunde. Wir nahmen den nächsten Zug in Richtung München und
quetschten uns zu acht in eine Viererbank. Die Stunde Fahrzeit
verging wie im Flug und so machten wir uns schon bald auf zu der
bekanntesten Disco in München. Da wir, Gott sei Dank, schon drei
Personen über 18 dabei hatten, kamen wir also problemlos rein und
setzten uns erst einmal in eine gemütliche, ruhige Sofaecke. „Ich
bestell uns erst mal ein Gläschen Sekt zum anstoßen, oder was meint
ihr?“, fragte ich bei meinen Freunden nach. „Au ja, mach das!“
„Ja, unbedingt!“, bekam ich als Antwort und so ging ich zu der
Bar. „Ich hätte bitte gern 8 Gläser Sekt!“, gab ich meine
Bestellung auf. Ich wollte meinen Geldbeutel schon mal aus der Tasche
ziehen, als mich ein, schon etwas angetrunkener Mann, anrempelte und
mir die Tasche auf dem Boden fiel. Natürlich fiel sie genau so nach
unten, dass mein gesamter Inhalt sich auf dem Boden verstreute. Ich
fing gerade an, meine Sachen wieder einzusammeln, als sich jemand
anderes ebenfalls bückte und mir meinen Geldbeutel schon reichte.
„Warte, ich helfe dir!“, sagte eine männliche Stimme. Ich
blickte auf und sah in die schönsten Augen, die ich je gesehen
hatte. Ich sah ihn an und konnte einfach nicht den Blick von diesen
Augen wenden. Doch auch er schaute mich weiterhin an. Schnell
sammelte ich meine restlichen Sachen auf und stand schnurstracks
wieder auf, um ihn nicht weiter anstarren zu müssen. Er stand
ebenfalls auf und streckte mir seine Hand entgegen. „Hallo, ich bin
Marco!“ „Äh, ja hallo, also danke fürs Aufsammeln und so!“,
stotterte ich herum. Er lächelte mich an: „Keine Ursache! Hast du
denn auch einen Namen?“ „Ach so, na klar, ich bin Lara!“ „Hey,
schöner Name! Bist du allein hier?“ Ich wurde ein klein wenig rot.
„Nein, ich bin mit meinen Freunden hier, die auch sicher schon auf
mich warten.“ Da stupste mich der Barkeeper an: „Hier, ihre 8
Gläser Sekt!“ Ich bezahlte und wollte mich gerade zum Gehen
wenden, da fragte mich Marco: „Feiert ihr einen Geburtstag?“ Ich
schaute ihn verlegen an: „Ja, also…ich habe heute Geburtstag!“
„Echt? Na dann, herzlichen Glückwunsch!“ Er grinste mich an,
doch plötzlich klopfte mir jemand von hinten auf die Schulter.
Jonathan, einer von meinen Freunden, schaute mich an und sagte: „Hey,
wo bleibst du denn? Wir warten ja schon ewig auf dich!“ Ich
stammelte eine Entschuldigung und drückte ihm das Tablett mit den
Sektgläsern in die Hand. „Du kannst die ja schon mal zu unserem
Tisch tragen, ich komm sofort nach!“ Er machte sich auf den Weg,
drehte sich aber vorher noch einmal um und blickte Marco ungläubig
an. „ Na ja, du siehst, ich muss dann mal wieder zu denen…“ Er
schaute mich traurig an. „Schade, aber trotzdem viel Spaß heute
und noch mal alles Gute!“ Prompt drehte er sich um und verschwand
hinter der nächsten Ecke. Ich schüttelte kurz den Kopf und ging
schnell zu meinen Freunden. „Na, wer war denn der Typ, mit dem du
da geredet hast?“, fragte Jonathan natürlich gleich nach. „Ähm,
der hat mir nur geholfen, meine Sachen wieder aufzuheben, die mir aus
der Tasche gefallen sind“, versuchte ich ihm zu erklären. Doch der
ließ sich nicht beirren: „Ach was, das hat man doch von weitem
gesehen, der wollte doch was von dir, wie der dich schon angeschaut
hat!“ „Ach, red doch keinen Blödsinn!“ Alle fanden es höchst
interessant, sich über Marco lustig zu machen, bis auf mich. Mir
ging Marco einfach nicht mehr aus dem Kopf. Nach einer Weile verzog
ich mich auf die Toilette, um nicht weitere Theorien über Marco mir
anhören zu müssen. Dort angekommen vertrödelte ich möglichst viel
Zeit. Ich checkte dann auch noch meine Frisur im Spiegel, machte mich
dann aber wieder auf den Weg zu den anderen. Ich blickte mich ein
wenig um und schaute einen Augenblick nicht nach vorne und stieß mit
Marco zusammen. „Oh oh, tut mir leid, ich habe gerade nicht nach
vorne geschaut…“ „Hey kein Problem, mach dir nichts draus, mir
ist ja nichts passiert. Ist bei dir alles ok?“ Er lächelte mich
wieder an. „Ja danke, mir geht es gut.“ „Diesmal keinen Freund
als Bodyguard dabei?“, fragte er mich scherzhaft. Ich lachte.
„Nein, diesmal nicht. Die strecken gerade alle tief in einer
Diskussion.“ „Und um was geht es da, dass du nicht mit
diskutieren möchtest?“ „Ach, nichts besonderes.“ Ich konnte
ihm ja schlecht die Wahrheit sagen. „Darf ich dir vielleicht meine
Handynummer geben?“ Ich schaute ihn belustigt an und musste
anfangen zu lachen. „Wieso lachst du jetzt?“, fragte er mich
unverständlich. „Mich hat noch nie jemand gefragt, ob er mir seine
Handynummer geben darf. Normalerweise hat man sie mir einfach immer
gegeben und eher nach meiner Nummer gefragt.“ Marco musste
ebenfalls anfangen zu lachen. „Aber du darfst sie mir trotzdem
geben“, lenkte ich dann jedoch ein. Wir tauschten also unsere
Nummern aus, und verabschiedeten uns letztendlich mit der Abmachung
in nächster Zeit zusammen einen Kaffee trinken zu gehen. Lächelnd
kam ich zu meinen Freunden zurück. „Was ist denn mit dir
passiert?“, fragte René. „Ähm, nichts, wieso denn?“ „Na ja,
du warst sehr lange auf dem Klo und kommst dann auch noch mit einem
fetten Grinsen im Gesicht zurück!?“ „Nee,
alles ok!“ Plötzlich
fängt Jonathan wieder an zu lachen. “Sie ist bestimmt wieder
diesem Spanner begegnet!” Alle fingen natürlich über diesen
Kommentar an zu lachen. „Haha, sehr lustig! Was habt ihr denn gegen
ihn? Er war doch nur hilfsbereit!“, versuchte ich Marco zu
verteidigen. Sie ließen sich aber nicht beirren und machten sich den
ganzen Abend lustig über ihn. Ich verlor dadurch immer mehr meine
gute Stimmung und machte mich bald auf dem Weg zum Bahnhof, um den
nächsten Zug nach Hause zu nehmen. Meine Freunde fragten zwar, wieso
ich schon gehen wollte, doch sie versuchten nicht, mich zum Bleiben
zu überreden. Also fuhr ich mutterseelenallein nach Hause…
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