3.
Kapitel
So
vergingen tatsächlich einige Wochen ohne das meine Mutter sich über
Marco und mich beschwerte. Wir sahen uns, so oft es uns möglich war
und wurden immer mehr zu einer Einheit. Marco konnte nicht ohne mich
und ich konnte auf keinen Fall ohne Marco. In den Ferien blieb ich
fast die ganze Zeit bei ihm in München, obwohl meine Mutter oft
jammerte, dass sie mich gar nicht mehr zu Gesicht bekam. Es verging
ein Jahr, ein Jahr voller Glück und Liebe. Doch das sollte mir von
einer Sekunde auf die andere wieder genommen werden…
„Okay
meine Süße, ich habe jetzt drei Wochen Urlaub. Was wollen wir in
den drei Wochen so alles anstellen?“, fragte mich Marco zu Beginn
der Sommerferien. Ich grinste ihn an. „Ach, ich weiß nicht. Was
würde denn der Herr so vorschlagen?“ Er überlegte eine Weile und
schließlich bekam ich seine Antwort. „Was hältst du davon, wenn
wir noch heute unsere Sachen packen und morgen zu meinem Vater nach
Wien fahren und uns dort für ein oder zwei Wochen einquartieren?“
Er schaute mich fragend an. „Ist das dein Ernst? Wir wollen
wegfahren? Was sagt denn dein Dad dazu, ist er überhaupt damit
einverstanden, dass wir einfach so bei ihm wohnen würden?“ Ich
freute mich zwar über diesen Vorschlag, doch mit der Planung war ich
noch nicht so ganz einverstanden. „Ach, das habe ich doch schon
längst alles abgeklärt. Er würde sich freuen uns zwei mal wieder
eine Weile bei sich zu haben!“ Natürlich wollte ich auch zu Marcos
Vater, denn ich mochte ihn. Silvester hatten wir bei ihm zuhause in
Wien verbracht und schon da ist er mir sehr ans Herz gewachsen. Nach
einer Weile gab ich mich dann doch geschlagen. „Na gut, dann lass
uns nach Wien fahren. Aber ich muss meiner Mutter zumindest Bescheid
sagen, dass sie weiß, dass wir nicht in München sind!“ Da es
schon spät am Abend war und wir schnellstmöglich packen wollten,
rief ich sofort meine Mama an und erklärte ihr kurz, wo wir uns die
nächsten zwei Wochen aufhielten. „Okay mein Schatz, danke, dass du
mir Bescheid gesagt hast. Dann wünsch ich euch viel Spaß in Wien,
und pass auf dich auf!“ Ich verdrehte die Augen. „Ja Mama, mir
passiert schon nichts, keine Sorge!“ Wir verabschiedeten uns und
ich ging zu Marco und half ihm beim packen. Als wir alles Nötige
eingepackt hatten, gingen wir auch schon ins Bett, da wir am nächsten
Morgen in aller Frühe losfahren wollten.
Pünktlich
um fünf Uhr in der Früh machte Marco den Motor an und es ging los
in Richtung Wien. Sehr zu unserem Leid war trotz der frühen Uhrzeit
schon sehr viel Verkehr auf den Straßen, doch wir ließen uns nicht
den Spaß verderben. „Ich freu mich schon richtig, deinen Vater
wieder zu sehen“, sagte ich. Marco lächelte. „Das freut mich,
dass ihr zwei euch so gut versteht. Aber ich freu mich natürlich
auch, mal wieder bei ihm zu sein.“ Ich schaute ihn an. „Weißt du
was? Ich bin richtig froh, dass wir uns getroffen haben. Ich wüsste
nicht, was ich ohne dich machen sollte.“ Marco schaute mich auch
kurzzeitig an. „Ich bin auch mächtig stolz, dass du meine Freundin
bist.“ Er nahm meine Hand. „Ich liebe dich, meine Maus!“ Ich
drückte seine Hand ebenfalls. „Ich dich auch!“ Wir fuhren
gemütlich auf der linken Fahrbahn, da auf der rechten anscheinend an
diesem Tag nur langsame Fahrer unterwegs waren. Im Radio brachten sie
gerade die Staumeldungen. Der Radiosprecher warnte vor einem
Geisterfahrer, doch wir hörten gar nicht genau hin, da wir uns eher
die Zeit vertrieben und uns über die anderen Fahrer lustig zu
machen. Irgendwie machten die komische Zeichen, doch wir wussten
nicht genau, was sie eigentlich meinten, bis ich ihn sah. Er kam
direkt auf uns zu. Der Geisterfahrer, von dem der Radiosprecher
sprach. „Schatz, fahr nach rechts, fahr sofort nach rechts!!!“,
schrie ich. Doch wir überholten gerade ein anderes Auto, sodass es
unmöglich war, nach rechts auszuweichen. „Scheiße, ich kann
nicht. Süße, da ist…“, weiter kam Marco nicht, denn genau in
diesem Moment knallte der Geisterfahrer auf uns. Ich schrie als das
Auto einen Überschlag machte. Es machte einen lauten Knall und alles
um mich herum wurde schwarz…
Ich
hörte leises Gemurmel um mich herum, doch ich traute mich nicht die
Augen zu öffnen, da ich Angst hatte, was mich erwarten würde.
Plötzlich hörte ich eine Stimme. „Lara-Schatz, hörst du mich?“
Diese Stimme kannte ich, doch ich konnte mich in diesem Augenblick
nicht genau erinnern, wem sie gehörte. „Herr Doktor, sie haben
doch gesagt, dass sie schon wach sein müsste. Warum antwortet sie
dann nicht?“ Eine tiefe, männliche Stimme beruhigte die weibliche,
aufgeregte Stimme. Dem Anschein nach, sprachen sie über mich, doch
ich konnte mich noch nicht so recht erinnern, wo ich überhaupt war
und vor allem, warum ich hier war. Langsam öffnete ich die Augen.
„Lara! Na endlich, du bist wach. Schatz, wie geht es dir? Oh mein
Gott, ich bin ja so froh, dass du wieder die Augen auf machst!“ Ich
blickte in die Augen einer mir sehr bekannten Frau und plötzlich
erinnerte ich mich wieder an alles. Da war dieser Geisterfahrer,
Marco konnte nicht mehr ausweichen und…wo war Marco? „Mama…“,
versuchte ich anzusetzen, doch meine Stimme versagte noch etwas. Da
trat der Doktor an mein Bett. „Frau Landau, sie hatten einen Unfall
und mussten operiert werden. Aber keine Sorge, sie kommen wieder auf
die Beine. Ihr rechter Fuß war gebrochen und ein paar Rippen wurden
auch beschädigt. Außerdem haben sie eine leichte
Gehirnerschütterung. Aber das kommt alles wieder in Ordnung!“ Ich
blickte wieder zu meiner Mutter. „Was, was ist mit Marco?“ Sie
schaute hilfesuchend den Arzt an. Er antwortete mir: „Herr Mang hat
es schwerer erwischt als sie. Er liegt noch auf der Intensivstation
und wurde in ein künstliches Koma gelegt.“ Ich schaute ihn
ängstlich an. „Aber er, er kommt doch auch wieder auf die Beine
oder?“ Der Doktor schaute mich mit traurigen Augen an und sagte:
„Ich möchte ehrlich zu ihnen sein. Sein Zustand ist sehr kritisch
und wir müssen erst die nächsten Tage abwarten, um eine Aussage
darüber zu machen.“ Ich schluchzte auf.
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