Samstag, 14. April 2012

CA: Das Glück in meinen Armen 4

geschrieben von CarinA


4. Kapitel

Also wartete ich die nächsten Tage ab. Doch auch nach einer Woche lag Marco immer noch im Koma. Ich war mittlerweile schon wieder halbwegs auf den Beinen. Ich sollte noch einen Tag zur Beobachtung bleiben, doch dann, so sagte es mir der Arzt, konnte ich wieder nach Hause. Ich musste zwar mit Krücken laufen, doch das sollte kein Problem darstellen. Doch ich freute mich ganz und gar nicht auf meine Entlassung. Meine Mutter verstand mich einfach nicht. „Ich weiß gar nicht was du hast. Sei doch froh, dass du endlich wieder nach Hause kannst und nicht immer nur hier in der Klinik sein musst!“ „Mama, du weißt ganz genau, dass ich nach meiner Entlassung nicht jeden Tag bei Marco sein kann. Du müsstest mich jeden Tag hierher fahren!“ Sie schüttelte den Kopf. „Aber das kann ich nicht. Ich muss doch auch arbeiten!“ Ich nickte. „Ich weiß, und genau deswegen werde ich mich hier in der Klinik mal erkundigen, ob ich eine Möglichkeit habe, solange Marco hier ist, auch hier zu schlafen!“ Sie zuckte erschrocken zusammen. „Aber Schatz, das kannst du mir doch nicht antun. Ich habe mich so gefreut, als ich erfahren habe, dass du morgen schon wieder zu mir nach Hause kommen darfst!“ Aber sie konnte meine Entscheidung nicht ins Wanken bringen. Ich machte mich auch sofort auf den Weg und fragte mich soweit durch, bis ich endlich bei meinem Arzt landete. Er seufzte, als ich ihm mein Vorhaben nahe brachte. „Ach Lara, so etwas habe ich mir schon gedacht. Ich werde mich mal schlau machen, ob irgendein Bett im Moment zur Verfügung steht.“
Am folgenden Tag räumte ich auch schon meine Sachen in ein anderes Zimmer, in das ich verlegt wurde, sodass ich die ganze Zeit bei Marco bleiben konnte. Das tat ich auch. Ich wich nur von seiner Seite, wenn es unbedingt sein musste. Am Wochenende kam dann auch meine Mutter immer vorbei, doch sie verlor nie wieder ein Wort darüber, wann ich denn vorhatte, wieder nach Hause zu kommen. Ich hatte ihr klipp und klar zu verstehen gegeben, dass ich erst die Klinik wieder verlassen würde, wenn es Marco wieder besser gehen würde.
Nach drei Wochen war sein Zustand immer noch nicht stabiler geworden. Ich wachte immer noch Tag für Tag an seinem Bett. Doch an diesem Samstagmittag ging es auch mir nicht gut. Ich kämpfte schon den ganzen Morgen immer mal wieder mit Übelkeit, konnte mir aber nicht erklären, woher diese kam. Ich aß zwar immer regelmäßig, doch nicht wirklich ausgiebig. Am Mittag kam der Doktor zu Marco, um zu schauen, ob sich etwas verändert hatte und sah mich nachdenklich an. „Na Lara, dir scheint es aber heute nicht gut zu gehen. Du bist ja ganz blass!“ „Mir geht es auch nicht wirklich gut. Mir ist seit heute morgen immer mal wieder übel!“ Er schaute mich genauer an. „Mir wäre es wohler, wenn du dich jetzt kurz durchchecken lassen würdest, nicht dass es irgendwelche späteren Folgen von dem Unfall sind!“ Da ich nicht wirklich erfreut ihn anschaute, holte er sogleich eine Krankenschwester, die mich dann in ein Untersuchungszimmer brachte. Ein paar Minuten später erschien auch der Doktor selber. „Ich habe gerade Zeit, da kann ich dich gleich selber untersuchen!“ Ich lächelte ihm kurz zu. Er tastete meinen Bauch ab, hörte danach aber sofort mit der Untersuchung auf. „Sag mal Lara, wann hattest du denn das letzte Mal deine Periode?“ Ich überlegte lange, da ich mich nicht mehr daran erinnern konnte. „Ähm, das müsste noch vor dem Unfall gewesen sein, hier in der Klinik hatte ich sie nicht…“ Er schaute mich skeptisch an. „Aber der Unfall ist doch jetzt schon knapp 5 Wochen her.“ Ich schluckte schwer und rechnete selber nach. Der Unfall lag tatsächlich schon fast 5 Wochen zurück, und meine letzte Periode musste also schon mehr als 5 Wochen zurückliegen. Ich starrte ihn erschrocken an. „Sie meinen doch nicht…“ Aber er nickte. „Doch Lara, ich bin eigentlich davon überzeugt, dass du schwanger bist!“ „Nein, nein das kann gar nicht sein! Sie müssen sich irren!“ Doch er schüttelte den Kopf. „Ich werde dich gleich mal in der Gynäkologie anmelden, dort sollen die dich noch mal richtig untersuchen, aber ich bin mir eigentlich ziemlich sicher. Alle Symptome sprechen dafür.“ Ich hörte ihm schon gar nicht mehr richtig zu. Wie konnte das sein? Aber die größte Frage war: Wie sollte ich das schaffen? Die Ärzte wussten immer noch nicht, ob es Marco überhaupt schaffen würde. Meine Mutter würde nie noch einmal zu arbeiten aufhören, um mein Kind groß zu ziehen. Doch ich konnte und wollte nicht einfach die Schule abbrechen. Tausende von Fragen schwirrten in meinem Kopf, doch ich fand keine Antwort. Die nächsten Stunden bekam ich nicht einmal richtig mit, ich war so geschockt und versuchte eine Lösung zu finden, doch ich fand sie nicht.
Die folgenden Tage war ich nicht ansprechbar. Auch als meine Mutter wieder in die Klinik kam, sprach ich kein Wort. Dem Anschein nach, hatte ihr der Doktor schon die Nachricht meiner Schwangerschaft überbracht, denn sie sprach andauernd von „Das wird schon wieder!“ oder „Wir schaffen das schon!“. Ich wusste zwar nicht, wie wir das schaffen sollten, doch ich brachte es auch nicht über mich, sie nach einer Lösung zu fragen. Da meine Mutter trotzdem arbeiten musste, war ich am nächsten Tag wieder allein. Ich ging wie gewöhnlich zu Marco und saß die ganze Zeit an seinem Bett. Es gingen mir alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Was mache ich, wenn Marco wirklich nicht mehr aufwachen sollte? Ich als alleinerziehende junge Mutter? Wer sollte das alles bezahlen? Windeln, Babyklamotten, und alles was man nun mal für ein Kind braucht? Ich ging ja noch zur Schule. Aber eins kam mir nie in Sinn, nämlich das Baby gar nicht erst zu bekommen. In meiner Situation wäre eine Abtreibung durchaus möglich. Doch das konnte ich nicht über mich bringen. Es war schließlich ein Teil von mir und Marco zusammen. Ich wusste nicht, wie ich es schaffen sollte, doch ich wusste in diesem Moment schon eins: ich liebte dieses Kind in mir schon zu diesem Zeitpunkt und nichts auf der Welt würde mich dazu bringen, mein Baby abzutreiben.
Doch meine Mutter dachte in dieser Hinsicht mal wieder komplett anders als ich und kam am folgenden Wochenende mit einem Haufen Papierkram zu mir. Sie erkundigte sich wie immer nach Marcos Zustand, kam dann aber gleich zu dem nächsten Thema, dass sie belastete. „Schatz, schau mal was ich hier alles mitgebracht habe. Du musst die Sachen nur noch ausfüllen, und dann sollte es kein Problem mehr sein. Du wirst so schnell wie möglich einen Termin bekommen, wenn es gut läuft, wird es vielleicht sogar hier in der Klinik gemacht!“ Ich schaute sie verwirrt an. „Wovon redest du?“ Als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt, sagte sie: „Na von der Abtreibung! Wir sind uns ja wohl einig, dass dir ein Kind im Moment gar nicht in den Kram passt. Wir wissen nicht, wie es mit Marco weitergeht, außerdem gehst du noch zur Schule und ich muss arbeiten. Zeit und vor allem auch Geld haben wir für ein Baby nun wirklich nicht!“ Meine Augen weiteten sich vor Schreck und ich starrte meine Mutter an. Währendessen blätterte sie schon in den Abtreibungsunterlagen und erklärte mir schon, wie alles ablaufen würde. Als sie mir dann einen Kugelschreiber gab, mit den Worten „Du musst nur noch hier unterschreiben, dann wird alles wieder gut!“, und auf eine Stelle deutete, wo ich unterschreiben sollte, platzte mir der Kragen. „Wer sagt denn überhaupt, dass ich mein Baby abtreiben will? Nur weil es dir nicht in den Kram passt, kannst du doch nicht einfach so ein Leben wegwerfen! Dieses Kind“, und ich deutete auf meinen Bauch, „ist ein Teil von mir und Marco, und ich werde den Teufel tun und unser gemeinsames Baby töten!“ Einen kurzen Augenblick war meine Mutter sprachlos, doch sie fasste sich sehr schnell wieder und schüttelte daraufhin den Kopf. „Wie willst du das anstellen? Marco liegt im Koma, die Ärzte können immer noch nicht sagen, ob er überhaupt überlebt, geschweige denn, ob er dieses Kind überhaupt will! Was ist, wenn er wieder aufwacht und er mit der Situation total überfordert ist und das Baby gar nicht will? Dann stehst du alleine da, ohne Geld, ohne Hilfe, ohne alles!! Damit dir eins klar ist: Ich werde meine Arbeit nicht aufgeben, um für dein Kind zu sorgen! Schau mal Schatz“, sie setzte sich näher zu mir und nahm meine Hand, „du bist doch selber fast noch ein Kind. Wie willst du denn da selber ein Kind großziehen? Du hast keine Garantie, ob Marco auch schon ein Kind möchte, oder ob er überhaupt wieder aus dem Koma erwacht. Und, so leid es mir auch tut, mir gefällt meine Arbeit wirklich und ich möchte sie nicht wegen deinem Kind auf das Spiel setzen, also auf meine Hilfe brauchst du gar nicht erst bauen.“ Ich entriss ihr meine Hand. „Dann geh doch, wenn du mich nicht mehr haben willst. Außerdem, rede nicht immer so abwertend über Marco, du kennst ihn doch gar nicht richtig. Er würde mich nie im Leben im Stich lassen!!“ Wir schrieen uns immer mehr an, bis die Situation dann erst richtig eskalierte. Meine Mutter warf mir vor, stur zu sein, mein Leben gerade wegzuwerfen und viele andere böse Sachen. Doch auch ich schrie ihr entgegen, dass sie mein Baby töten wolle und andere Dinge. Mit den Worten „Solange du dieses Kind behältst, brauchst du gar nicht mehr bei mir auftauchen! Schau doch selber, wie du es schaffst, ohne Geld und Mann ein Kind auf die Welt zu bringen und anschließend großzuziehen!“ packte sie die Unterlagen und ging rasch aus meinem Zimmer.

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