Samstag, 7. April 2012

CA: Das Glück in meinen Armen 2

geschrieben von CarinA

2. Kapitel


Neuer Tag, neues Glück. Erfreulicherweise bekam ich schon frühmorgens von meinen Freunden Sms, in denen sie sich entschuldigten das sie gestern so gelästert haben und das an meinem Geburtstag. Das stimmte mich wieder fröhlicher und ich machte mich gut gelaunt daran, mir mein Frühstück zuzubereiten. Ich dachte an den vergangenen Abend und lächelte bei dem Gedanken, wie dumm ich vor Marco rumgestottert haben muss. Ich war mir eigentlich relativ sicher, dass er sich bestimmt nicht mehr melden würde, nachdem Jonathan ihn schon so komisch angeschaut hatte, und ich selber würde ihn auf gar keinen Fall anrufen. Doch eine Stunde später, klingelte plötzlich mein Handy. Ich ging ran. „Hallo?“ „Äh, ja hallo, ich bin es, Marco!“ “Oh, hallo Marco!” „Na ja, also ich wollte dich einfach mal fragen, wann du denn Zeit und Lust hättest mit mir einen Kaffee trinken zu gehen.“ In Gedanken durchforstete ich meinen Terminkalender und – welch Wunder – mir fiel spontan kein Termin ein, den ich in nächster Zeit hatte. Obendrein waren ja Sommerferien, also zur Schule musste ich auch nicht. „Du, mir ist das ganz egal, ich hab in den nächsten Tagen immer Zeit, habe ja auch Ferien!“ „Ach du gehst noch zur Schule?“ „Ja klar, was dachtest du denn?“ „Du siehst nicht wie eine Schülerin aus, du wirkst schon so erwachsen.“ „Oh danke, aber ich gehe wirklich noch zur Schule, du etwa nicht?“ Er fing an zu lachen. „Nein, ich gehe schon lang nicht mehr zur Schule.“ „Oh, hast du dann etwa nur den Hauptschulabschluss, wenn es schon so lange her ist?“ „Nein, ich habe Abitur gemacht!“ Plötzlich fiel bei mit der Groschen: Marco hatte Abitur gemacht, dass aber schon etwas länger zurück lag, das bedeutete er war nicht 19 oder 20, wie ich erst vermutet hatte, er musste also schon älter sein. „Ach so, wann hast du denn Abitur gemacht?“ An seiner Stimme hörte ich, dass er lächelte. „Ich habe vor 8 Jahren mein Abi gemacht!“ Automatisch rechnete ich in meinem Kopf. Wenn er vor 8 Jahren schon Abitur gemacht haben sollte, dann müsste er jetzt schon 27 Jahre alt sein. Ich war für einen kurzen Moment sprachlos. 10 Jahre älter als ich? Das konnte und wollte ich mir nicht vorstellen. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass er schon so alt sein könnte. Er wirkte noch so jung, und dazu sah er auch noch sehr jung aus. „Du bist so still auf einmal. Hat dich das jetzt so überrascht?“, fragte er. „Ehrlich gesagt schon. Ich hätte dich für jünger gehalten.“ „Hm, aber so ging es mir im ersten Moment auch, als du mir gerade gesagt hast, dass du noch zu Schule gehst. Ich dachte, du bist schon älter. Du wirkst wirklich schon sehr erwachsen.“ Ich musste lächeln. „Wollen wir trotzdem einen Kaffee trinken gehen oder dann lieber nicht? Also ich würde es wirklich verstehen, wenn du dich jetzt lieber doch nicht mit mir verabreden würdest“, sagte er ehrlicherweise. Komischerweise überlegte ich nicht lange und antwortete ihm sofort: „Doch doch, ich würde trotzdem gern mit dir einen Kaffee trinken. Wieso sollte es mir etwas ausmachen?“ „Na ja, ich weiß ja nicht, vielleicht denkst du ja jetzt auch: Oh man, wieso sollte ich mich mit so einem alten Typen überhaupt treffen?!“ Ich musste lachen. „Nein, tut mir leid, so eine Ansicht habe ich nicht!“ Marco musste ebenfalls lachen. „Na dann hab ich ja noch mal Glück gehabt! Was hältst du denn davon, wenn wir uns heute Nachmittag schon treffen? Also nur wenn du nichts anderes schon vor hast!“ Da sich meine Freunde mit Sicherheit noch von gestern erholen mussten, hatte ich also überhaupt nichts anderes vor und sagte natürlich sofort zu. „Total gerne. Wo und wann?“ Er überlegte kurz. „Wäre es schlimm, von dir zu verlangen, noch mal nach München zu kommen?“ Ich blickte sofort zu meinem Zugplan, den ich immer an meiner Pinnwand hängen hatte, und sah, dass in einer Stunde der nächste Zug nach München fahren würde. „Nein, das wäre überhaupt nicht schlimm. Mein Zug würde in einer Stunde fahren. Wo soll ich denn dann hinkommen?“ Marco dachte kurz nach und sagte schließlich: „Nirgends. Ich hole dich einfach am Hauptbahnhof ab.“ Damit war ich sehr zufrieden, denn viel Orientierung hatte ich in Großstädten nicht, es wäre also nicht sicher gewesen, ob ich einen Treffpunkt innerhalb der Stadt auf Anhieb gefunden hätte. Ich gab ihm noch an, um wie viel Uhr ich am Bahnhof ankommen würde und dann verabschiedeten wir uns auch schon, damit ich auch noch etwas Zeit hatte, mich fertig zu machen. Ich erwischte gerade noch den Zug und machte es mir in einem Abteil gemütlich, da ich ca. eine Stunde Fahrzeit vor mir hatte. Nach der besagten Stunde Fahrzeit fuhr der Zug im Hauptbahnhof ein und ich stieg als eine der Ersten aus. Ich blickte mich um und sah Marco lässig an einer Säule lehnen. Ich ging langsam auf ihn zu, er sah mich jedoch noch nicht, da er gerade eben in sein Handy vertieft war. Als ich genau vor ihm stand, räusperte ich mich. Überrascht blickte er auf und als er mich vor sich stehen sah, lächelte er. „Oh, hallo, ich hab gar nicht bemerkt, dass das schon dein Zug war!“ Ich schaute ihn schüchtern an. „Kein Problem, ich habe dich ja auch gleich gefunden.“ Wir schauten uns an und mussten lachen anfangen. Neugierig wie ich war, fragte ich ihn: „Und wohin willst du mich jetzt entführen?“ „Entführen? Wer spricht denn hier von entführen?“, sagte er lachend. „Aber okay, ich will dich heute in den Englischen Garten entführen. Ich dachte, wir könnten dort schön picknicken“, und er zeigte auf einen Korb, der neben ihm auf den Boden stand. „Ich habe auch schon alles zusammen gepackt. Ich dachte, dass das vielleicht bei dem Wetter schöner ist, als in einem total überfüllten Café zu sitzen. Wenn das für dich ok ist?!“ Ich nickte sofort. „Natürlich ist das für mich in Ordnung. Ich finde das auch schöner, als immer diese vollgequetschten Cafés.“ Marco bückte sich, nahm den Korb und lächelte mich dann an. „Na gut, dann würde ich vorschlagen, dass wir uns auf den Weg dorthin machen, sonst kriegen wir da auch keinen Platz mehr.“ Ich schaute ihn skeptisch an. „Glaubst du etwa, dass es dort auch so voll ist? Er schüttelte lachend den Kopf. „Nein, das sollte nur ein Witz sein! Komm, los geht’s!“ Also machten wir uns auf den Weg und kamen auch schon bald zum Englischen Garten. Wir suchten uns ein schattiges Plätzchen und Marco breitete dort eine große Picknickdecke aus. Wir setzten uns beide darauf und er fing an, viele Leckerein aus dem Korb zu holen. Wir redeten so viel, dass wir fast nicht zum essen kamen, doch irgendwann überkam uns dann doch der Hunger und so aßen wir eine Weile, ohne ein Wort zu sagen. So verging die Zeit wie im Flug, wir redeten, dann aßen wir wieder etwas, doch es wurde nie langweilig. Spät am Abend musste ich dann aber leider wieder zum Bahnhof, da ich meiner Mutter versprochen hatte, nicht zu spät heimzukommen. Als wir am Bahnhof ankamen, stand mein Zug schon da, obwohl er erst in einer halben Stunde fahren sollte. „Na dann, ich setz mich dann schon mal rein, sonst fährt er noch ohne mich.“ „Genau, nicht, dass er dich vergisst!“ Wir mussten lachen. Ich schaute ihn an. „Danke für den Tag, es war wirklich sehr schön!“ „Ja, ich fand es auch wunderschön. Können wir das öfters machen?“ Ich nickte sofort. „Ja, unbedingt. Na gut, also ich gehe jetzt dann mal.“ Ich wollte mich schon abwenden, doch Marco hielt mich am Arm fest. Ich drehte mich wieder um und sah ihm wieder in die Augen, die mich schon vom ersten Augenblick an fasziniert hatten. Es war ein magischer Moment. Wir sahen uns tief in die Augen und unsere Lippen berührten sich sachte. Wir küssten uns und in diesem Moment machte ich mir überhaupt keine Gedanke, dass Marco 10 Jahre älter war als ich. Ich wusste zwar noch nicht, wie ich das meiner Mutter erklären sollte, da sie schon immer gegen so einen Altersunterschied war, doch das war mir im Moment vollkommen egal. In diesem Augenblick gab es nur Marco und mich. Kurz bevor mein Zug abfuhr, stieg ich dann doch mal ein und Marco winkte noch lange meinem Zug hinterher. Als er nicht mehr zu sehen war, setzte ich mich alleine in eine Bank und lächelte vor mich hin.
Am nächsten Morgen musste ich dann meiner Mutter Rede und Antwort stehen, da ich ihr nur gesagt hatte, dass ich nach München fahren würde, jedoch nicht mit wem. Da sie es so genau wissen wollte, erzählte ich ihr einfach alles. Wie erwartet flippte sie erst mal total aus und schrie herum, doch ich ließ mich nicht aus der Ruhe bringen und so beruhigte sie sich nach einer gewissen Zeit auch wieder. „Bist du dir denn wirklich sicher, ob du mit so einem alten Mann zusammen sein willst?“, fragte sie mich. „Mama, so alt ist er auch wieder nicht. Er ist erst 27!“ Sie schüttelte den Kopf. „Ja, das sind 10 Jahre Altersunterschied!“ So diskutierten wir noch eine Weile hin und her, bis sie schließlich damit einverstanden war und sie mir versprach, kein Wort mehr über den Altersunterschied zu verlieren.

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