geschrieben von CarinA
2. Kapitel
Neuer
Tag, neues Glück. Erfreulicherweise bekam ich schon frühmorgens von
meinen Freunden Sms, in denen sie sich entschuldigten das sie gestern
so gelästert haben und das an meinem Geburtstag. Das stimmte mich
wieder fröhlicher und ich machte mich gut gelaunt daran, mir mein
Frühstück zuzubereiten. Ich dachte an den vergangenen Abend und
lächelte bei dem Gedanken, wie dumm ich vor Marco rumgestottert
haben muss. Ich war mir eigentlich relativ sicher, dass er sich
bestimmt nicht mehr melden würde, nachdem Jonathan ihn schon so
komisch angeschaut hatte, und ich selber würde ihn auf gar keinen
Fall anrufen. Doch eine Stunde später, klingelte plötzlich mein
Handy. Ich ging ran. „Hallo?“ „Äh, ja hallo, ich bin es,
Marco!“ “Oh,
hallo Marco!” „Na
ja, also ich wollte dich einfach mal fragen, wann du denn Zeit und
Lust hättest mit mir einen Kaffee trinken zu gehen.“ In Gedanken
durchforstete ich meinen Terminkalender und – welch Wunder – mir
fiel spontan kein Termin ein, den ich in nächster Zeit hatte.
Obendrein waren ja Sommerferien, also zur Schule musste ich auch
nicht. „Du, mir ist das ganz egal, ich hab in den nächsten Tagen
immer Zeit, habe ja auch Ferien!“ „Ach du gehst noch zur Schule?“
„Ja klar, was dachtest du denn?“ „Du siehst nicht wie eine
Schülerin aus, du wirkst schon so erwachsen.“ „Oh danke, aber
ich gehe wirklich noch zur Schule, du etwa nicht?“ Er fing an zu
lachen. „Nein, ich gehe schon lang nicht mehr zur Schule.“ „Oh,
hast du dann etwa nur den Hauptschulabschluss, wenn es schon so lange
her ist?“ „Nein, ich habe Abitur gemacht!“ Plötzlich fiel bei
mit der Groschen: Marco hatte Abitur gemacht, dass aber schon etwas
länger zurück lag, das bedeutete er war nicht 19 oder 20, wie ich
erst vermutet hatte, er musste also schon älter sein. „Ach so,
wann hast du denn Abitur gemacht?“ An seiner Stimme hörte ich,
dass er lächelte. „Ich habe vor 8 Jahren mein Abi gemacht!“
Automatisch rechnete ich in meinem Kopf. Wenn er vor 8 Jahren schon
Abitur gemacht haben sollte, dann müsste er jetzt schon 27 Jahre alt
sein. Ich war für einen kurzen Moment sprachlos. 10 Jahre älter als
ich? Das konnte und wollte ich mir nicht vorstellen. Ich wäre nie
auf die Idee gekommen, dass er schon so alt sein könnte. Er wirkte
noch so jung, und dazu sah er auch noch sehr jung aus. „Du bist so
still auf einmal. Hat dich das jetzt so überrascht?“, fragte er.
„Ehrlich gesagt schon. Ich hätte dich für jünger gehalten.“
„Hm, aber so ging es mir im ersten Moment auch, als du mir gerade
gesagt hast, dass du noch zu Schule gehst. Ich dachte, du bist schon
älter. Du wirkst wirklich schon sehr erwachsen.“ Ich musste
lächeln. „Wollen wir trotzdem einen Kaffee trinken gehen oder dann
lieber nicht? Also ich würde es wirklich verstehen, wenn du dich
jetzt lieber doch nicht mit mir verabreden würdest“, sagte er
ehrlicherweise. Komischerweise überlegte ich nicht lange und
antwortete ihm sofort: „Doch doch, ich würde trotzdem gern mit dir
einen Kaffee trinken. Wieso sollte es mir etwas ausmachen?“ „Na
ja, ich weiß ja nicht, vielleicht denkst du ja jetzt auch: Oh man,
wieso sollte ich mich mit so einem alten Typen überhaupt treffen?!“
Ich musste lachen. „Nein, tut mir leid, so eine Ansicht habe ich
nicht!“ Marco musste ebenfalls lachen. „Na dann hab ich ja noch
mal Glück gehabt! Was hältst du denn davon, wenn wir uns heute
Nachmittag schon treffen? Also nur wenn du nichts anderes schon vor
hast!“ Da sich meine Freunde mit Sicherheit noch von gestern
erholen mussten, hatte ich also überhaupt nichts anderes vor und
sagte natürlich sofort zu. „Total gerne. Wo und wann?“ Er
überlegte kurz. „Wäre es schlimm, von dir zu verlangen, noch mal
nach München zu kommen?“ Ich blickte sofort zu meinem Zugplan, den
ich immer an meiner Pinnwand hängen hatte, und sah, dass in einer
Stunde der nächste Zug nach München fahren würde. „Nein, das
wäre überhaupt nicht schlimm. Mein Zug würde in einer Stunde
fahren. Wo soll ich denn dann hinkommen?“ Marco dachte kurz nach
und sagte schließlich: „Nirgends. Ich hole dich einfach am
Hauptbahnhof ab.“ Damit war ich sehr zufrieden, denn viel
Orientierung hatte ich in Großstädten nicht, es wäre also nicht
sicher gewesen, ob ich einen Treffpunkt innerhalb der Stadt auf
Anhieb gefunden hätte. Ich gab ihm noch an, um wie viel Uhr ich am
Bahnhof ankommen würde und dann verabschiedeten wir uns auch schon,
damit ich auch noch etwas Zeit hatte, mich fertig zu machen. Ich
erwischte gerade noch den Zug und machte es mir in einem Abteil
gemütlich, da ich ca. eine Stunde Fahrzeit vor mir hatte. Nach der
besagten Stunde Fahrzeit fuhr der Zug im Hauptbahnhof ein und ich
stieg als eine der Ersten aus. Ich blickte mich um und sah Marco
lässig an einer Säule lehnen. Ich ging langsam auf ihn zu, er sah
mich jedoch noch nicht, da er gerade eben in sein Handy vertieft war.
Als ich genau vor ihm stand, räusperte ich mich. Überrascht blickte
er auf und als er mich vor sich stehen sah, lächelte er. „Oh,
hallo, ich hab gar nicht bemerkt, dass das schon dein Zug war!“ Ich
schaute ihn schüchtern an. „Kein Problem, ich habe dich ja auch
gleich gefunden.“ Wir schauten uns an und mussten lachen anfangen.
Neugierig wie ich war, fragte ich ihn: „Und wohin willst du mich
jetzt entführen?“ „Entführen? Wer spricht denn hier von
entführen?“, sagte er lachend. „Aber okay, ich will dich heute
in den Englischen Garten entführen. Ich dachte, wir könnten dort
schön picknicken“, und er zeigte auf einen Korb, der neben ihm auf
den Boden stand. „Ich habe auch schon alles zusammen gepackt. Ich
dachte, dass das vielleicht bei dem Wetter schöner ist, als in einem
total überfüllten Café zu sitzen. Wenn das für dich ok ist?!“
Ich nickte sofort. „Natürlich ist das für mich in Ordnung. Ich
finde das auch schöner, als immer diese vollgequetschten Cafés.“
Marco bückte sich, nahm den Korb und lächelte mich dann an. „Na
gut, dann würde ich vorschlagen, dass wir uns auf den Weg dorthin
machen, sonst kriegen wir da auch keinen Platz mehr.“ Ich schaute
ihn skeptisch an. „Glaubst du etwa, dass es dort auch so voll ist?
Er schüttelte lachend den Kopf. „Nein, das sollte nur ein Witz
sein! Komm, los geht’s!“ Also machten wir uns auf den Weg und
kamen auch schon bald zum Englischen Garten. Wir suchten uns ein
schattiges Plätzchen und Marco breitete dort eine große
Picknickdecke aus. Wir setzten uns beide darauf und er fing an, viele
Leckerein aus dem Korb zu holen. Wir redeten so viel, dass wir fast
nicht zum essen kamen, doch irgendwann überkam uns dann doch der
Hunger und so aßen wir eine Weile, ohne ein Wort zu sagen. So
verging die Zeit wie im Flug, wir redeten, dann aßen wir wieder
etwas, doch es wurde nie langweilig. Spät am Abend musste ich dann
aber leider wieder zum Bahnhof, da ich meiner Mutter versprochen
hatte, nicht zu spät heimzukommen. Als wir am Bahnhof ankamen, stand
mein Zug schon da, obwohl er erst in einer halben Stunde fahren
sollte. „Na dann, ich setz mich dann schon mal rein, sonst fährt
er noch ohne mich.“ „Genau, nicht, dass er dich vergisst!“ Wir
mussten lachen. Ich schaute ihn an. „Danke für den Tag, es war
wirklich sehr schön!“ „Ja, ich fand es auch wunderschön. Können
wir das öfters machen?“ Ich nickte sofort. „Ja, unbedingt. Na
gut, also ich gehe jetzt dann mal.“ Ich wollte mich schon abwenden,
doch Marco hielt mich am Arm fest. Ich drehte mich wieder um und sah
ihm wieder in die Augen, die mich schon vom ersten Augenblick an
fasziniert hatten. Es war ein magischer Moment. Wir sahen uns tief in
die Augen und unsere Lippen berührten sich sachte. Wir küssten uns
und in diesem Moment machte ich mir überhaupt keine Gedanke, dass
Marco 10 Jahre älter war als ich. Ich wusste zwar noch nicht, wie
ich das meiner Mutter erklären sollte, da sie schon immer gegen so
einen Altersunterschied war, doch das war mir im Moment vollkommen
egal. In diesem Augenblick gab es nur Marco und mich. Kurz bevor mein
Zug abfuhr, stieg ich dann doch mal ein und Marco winkte noch lange
meinem Zug hinterher. Als er nicht mehr zu sehen war, setzte ich mich
alleine in eine Bank und lächelte vor mich hin.
Am
nächsten Morgen musste ich dann meiner Mutter Rede und Antwort
stehen, da ich ihr nur gesagt hatte, dass ich nach München fahren
würde, jedoch nicht mit wem. Da sie es so genau wissen wollte,
erzählte ich ihr einfach alles. Wie erwartet flippte sie erst mal
total aus und schrie herum, doch ich ließ mich nicht aus der Ruhe
bringen und so beruhigte sie sich nach einer gewissen Zeit auch
wieder. „Bist du dir denn wirklich sicher, ob du mit so einem alten
Mann zusammen sein willst?“, fragte sie mich. „Mama, so alt ist
er auch wieder nicht. Er ist erst 27!“ Sie schüttelte den Kopf.
„Ja, das sind 10 Jahre Altersunterschied!“ So diskutierten wir
noch eine Weile hin und her, bis sie schließlich damit einverstanden
war und sie mir versprach, kein Wort mehr über den Altersunterschied
zu verlieren.
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