Montag, 16. April 2012

CA: Das Glück in meinen Armen 5

geschrieben von CarinA


5. Kapitel

Sie ließ mich wirklich allein. Wenn ich heute dorthin zurückdenke, dann kann ich sie mittlerweile ein kleines bisschen verstehen. Doch damals brach für mich eine Welt zusammen. Ich hoffte, dass sie schon am nächsten Tag wieder zu mir kommen würde, um sich zu entschuldigen, doch das tat sie nicht. Ich wartete drei Woche lang und jeden Tag, wenn jemand an meiner Tür klopfte, machte mein Herz einen kleinen Sprung in der Hoffnung, dass meine Mutter vor der Tür stand. Auch in Hinblick auf Marco gab es keine Besserung seines Zustandes, doch zum Glück auch keine Verschlechterung, was mich immer noch hoffen ließ.
Nach weiteren 4 Monaten hatte sich meine Mutter immer noch nicht gemeldet, doch das war mir zu diesem Zeitpunkt schon mehr oder weniger egal. Sie hatte mich im Stich gelassen, doch damit konnte ich mittlerweile leben. Mir war es immer noch möglich in der Klinik zu schlafen und sonst saß ich die meiste Zeit an Marcos Bett. Meine Schwangerschaft konnte man mir auch schon langsam ansehen und ich war richtig stolz darauf. Seit ein paar Tagen konnten die Ärzte eine leichte Verbesserung von Marcos Zustand wahrnehmen, was in mir wieder etwas mehr Hoffnung hervorbrachte. Eine weitere Woche später hatte mein Hoffen und mein Warten dann endlich ein Ende…
Es war ein Sonntagmorgen. Die Sonne blinzelte durch den Vorhang und ich war gerade erst am Aufwachen, als eine Schwester in mein Zimmer platzte. „Schnell, kommen Sie!“ Mein erster Gedanke war natürlich sofort „Oh nein, es muss etwas mit Marco sein!“, und ich geriet sofort ein bisschen in Panik. „Was ist denn passiert? Wohin soll ich kommen?“ „Ich weiß es nicht. Der Doktor hat mich geschickt, sie sollen sofort zu ihrem Freund kommen!“ In Windeseile zog ich mich an und rannte sofort dorthin. Doch dort, wo Marco die letzten Monate lag, fand ich nur ein leeres Zimmer vor, indem eine andere Schwester das Bett frisch bezog. Ich schluchzte auf, denn ich war der Meinung ihn für immer verloren zu haben. Da fasste mich ein Hand an meiner Schulter. Mit Tränen in den Augen drehte ich mich um und blickte in die Augen des Arztes. „Ah, da sind sie ja schon. Hat ihnen die Schwester also Bescheid gesagt?!“ Immer mehr Tränen liefen an meiner Wange herunter und so brachte ich kein Wort heraus. Der Doktor schaute mich verwundert an. „Was ist denn los? Sollten sie nicht überglücklich sein, dass Marco wieder bei vollem Bewusstsein ist? Wieso weinen sie denn? Beruhigen sie sich erst einmal!“ Jetzt war ich es, die ihn mit großer Verwunderung anstarrte. „Wie, bei vollem Bewusstsein? Aber ich, ich dachte, er ist…weil er doch nicht mehr hier…“ Mehr bekam ich nicht heraus, da mir immer noch unaufhörlich die Tränen hinunterpurzelten. Da verstand der Arzt. „Ich dachte, die Schwester hat ihnen gesagt, dass wir Marco vorhin aus dem Koma holen konnten?! Deswegen habe ich sie doch gleich holen lassen.“ Doch ich schüttelte den Kopf. „Nein, sie hat mir nur gesagt, dass ich schnell zu Marco kommen soll, sie wusste nicht warum.“ Man sah ihm an, dass es ihm unendlich leid tat, mir so einen Schrecken einzujagen. „Oh je, das tut mir leid. Dann hatte ich mich wohl nicht deutlich genug ausgedrückt.“ Er reichte mir ein Taschentuch, damit ich meine Tränen abwischen konnte. Als ich das getan hatte, lächelte ich ihn wieder an. „Wo ist er denn nun? Kann ich schon zu ihm?“ Auf diese Frage hatte er anscheinend nur gewartet, denn sofort nahm er meine Hand und zog mich regelrecht hinter sich her. Als wir vor einem Zimmer stehen blieben, kam gerade eine Schwester heraus. „Wie geht es ihm?“, fragte der Arzt. „Schon sehr viel besser. Außerdem hat er nach seiner Freundin gefragt. Wissen Sie, wo die sein könnte?“ Er lächelte mich an. „Ja, sie steht genau hier.“ Mit diesen Worten zeigte er auf mich. Mein Herz machte einen kleinen Sprung. Er hatte nach mir gefragt, das war doch schon mal eine erfreuliche Nachricht. Der Doktor deutete auf die Tür. „Na Lara, willst du nicht reingehen?“ Ich nickte heftig. „Doch natürlich will ich!“ Er klopfte kurz an der Tür und öffnete sie mir auch gleich. Langsam betrat ich den Raum. Ich traute mich gar nicht ihn anzuschauen. Dann hörte ich seine Stimme. „Lara!“ Es war nur mein Name, doch trotzdem wusste ich, dass nun alles gut werden würde. Also trat ich an sein Bett und schaute ihn zum ersten Mal wieder in die Augen. Man sah ihm an, dass er noch Schmerzen hatte, doch er versuchte mich schon wieder anzulächeln. „Wie geht es dir?“, fragte er mich. Ich lächelte. „Jetzt geht es mir wieder hervorragend!“ „Es tut mir so leid…“, versuchte er sich zu entschuldigen, doch ich unterbrach ihn. „Dir muss gar nichts leid tun, dich trifft überhaupt keine Schuld!“ Dann kam der Moment, vor dem ich noch am meisten Angst hatte. Marco blickte langsam an mir herab, sein Blick blieb jedoch auf der Höhe meines mittlerweile schon deutlich zu sehenden Babybauches hängen. Fragend blickte er mich an. „Ist das…?“ „Ja Marco, ja das ist unser Baby!“ Es war mucksmäuschenstill in diesem Moment, meine Hände fingen an zu zittern, da ich sehr große Angst davor hatte, was er nun sagen würde. Wieder traute ich mich nicht, ihn anzusehen. Da spürte ich, wie er meine Hand nahm. Ich blickte wieder zu ihm und sah, wie eine Träne auf seiner Wange herunterlief. „Dann, dann werde ich Papa?“ Auch mir stand schon das Wasser in den Augen, während ich nickte. „Ja, du wirst bald Papa werden.“ Er zog mich zu sich her und umarmte mich, während immer mehr Tränen an unseren Wangen herunterliefen. Ich war glücklich. Alles würde wieder gut werden, auch wenn meine Mutter sich immer noch in Schweigen hüllte, obwohl ich ihr schon ab und an eine SMS geschrieben hatte. Eine Stunde später konnte es Marco dann immer noch nicht so ganz fassen, was hier gerade ablief. Ich hatte ihm von dem Streit und den Problemen mit meiner Mutter erzählt und alles andere, was in den letzten Monaten so alles passiert war. Doch wir wussten, zusammen würden wir das schaffen.

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