7. Kapitel - Letztes Kapitel - Träumend
Joshua saß nun
alleine in dem Zimmer. Ria war gegangen, um mit ihren anderen
Schützlingen zu essen. Doch Joshua hatte keinen Hunger. Alle Rebellen
waren getötet worden. Also auch sein Bruder.
Joshua weinte. Seit
er ein kleines Kind gewesen war, hatte er nicht mehr geweint. Doch nun
schmerzte sein Herz vor Trauer. Aber gleichzeitig spürte er, dass der
Tod seines Bruders nun ein neues Kapitel einläutete.
Sein altes
Leben lag hinter ihm. Alles war in Trümmern, nichts würde mehr sein wie
zuvor. Aber mit einem Gefühl von Mut und Hoffnung entschloss Joshua
sich, Ria anzuschließen und ihr zu helfen, so viele Leute wie möglich
aus den Krisengebieten zu holen. Er wollte allen ein großer Bruder sein,
wie es Luca gewesen war. Aber er wollte niemanden mehr mit der Sorge
belasten, dass etwas passieren könnte. Er wollte für die Menschen da
sein.
Einen Moment wünschte Joshua sich, seine Schwester wieder
zu sehen, aber tief in seinem Inneren wusste er, dass sie sich nie
wieder treffen würden.
Sein Herz sagte ihm, dass er nun seine Bestimmung gefunden hatte.
Er wischte sich die Tränen fort und suchte Ria und die anderen.
Als
er den Speisesaal gefunden hatte, strahlte ihm familiäre Wärme
entgegen, wie er sie noch nie gespürt hatte. Hier bauten alle sich ihre
eigene heile Welt auf - und alle waren willkommen.
Joshua hatte sein zu Hause, seine Heimat, seinen Frieden, sein Glück gefunden.
Das Grenzgebiet
Natasha erschreckte, als die Kugeln auf sie zuflogen.
Camille
wich zurück und stürzte plötzlich jaulend auf den Boden. Sie hielt sich
ihre Schulter und ihren Arm liefen Rinnsale aus Blut herunter.
Die Wachen kamen näher - es war keine Zeit mehr.
"Lauf,
Camille!", rief sie und schob sich unter dem Zaun hindurch. Es musste
schnell gehen, sie krabbelte hindurch und schrie, als der Stacheldraht
ihren Rücken aufriss. Aber sie riss sich zusammen und rannte los. Sie
rannte und rannte, immer hinter Camille her. Tasha japste, keuchte und
Tränen liefen ihre Wangen hinab, doch sie hatte nur ihr Ziel vor Augen.
Das
Ziel der Freiheit. Camille und Natasha sausten durch die Nacht und als
die Stadt in Sicht kam, beschleunigten sie. Die Zielgerade... In dieser
Stadt war der Laden von Zacharias Fitz.
Am liebsten wären beide,
weinen vor Ehrfurcht auf die Knie gefallen, aber sie wagten es nicht,
auch nur einen Moment stehen zu bleiben und ein Risiko einzugehen. Nicht
wo sie so nahe dran waren.
Als sie das Geschäft erreichten,
wurden sie von den Arbeitern durch die Hintertür in den Laden
geschmuggelt. Gegenseitig versorgten Camille und Tasha ihre Wunden im
hinteren Teil des Lagers.
Ein kahlköpfiger, etwas dicklicher Mann trat ein. Er musste um die 50 sein und er lächelte die beiden gütig an.
"Ich hoffe ich habe genug Verbandszeug... Die Wunden sehen schlimm aus"
"Danke,
Zacharias", erwiderte Camille, "Wir haben hier alles was wie brauchen.
Ich kann gar nicht sagen, wie dankbar wir dir sind."
"Ich freue
mich immer, wenn ich helfen kann. Kuriert euch gut aus, in drei Stunden
wird euch ein Laster mit über die Grenze nehmen. Die Fahrt ist
anstrengend und in dem Laderaum wird es stickig und eng sein."
"Wir
haben es soweit geschafft, also werden wir die Fahrt auch noch
überstehen. Vielen Dank für ihre Hilfe.", dankte ihm Natasha ehrlich.
Ihr
Rücken schmerzte, der Stacheldrahtzaun hatte fast alles vom Steißbein
bis zu den Schultern aufgerissen. Sie hatte viel Blut verloren und es
würden wohl immer Narben sichtbar bleiben.
Aber diesen Preis war ihr die Freiheit alle mal wert. Es würde nicht mehr lange dauern.
Als
sie, Camille und noch ein paar andere in dem Lastwagen versteckt
wurden, klopfte Natashas Herz wie wild. Sie war so aufgeregt. In fünf
Stunden würde sie auf gedeihendem Boden in Freiheit spazieren. Sie und
Camille hatten sich aneinander gekuschelt und versuchten zu schlafen.
Dieser Weg hatte sie mehr denn je zusammengeschweißt. Sie würden im
Nachbarland ein neues, besseres Leben anfangen. Natasha freute sich
darauf. Sie war voller Dankbarkeit und Hoffnung.
Und
doch dachte zurück an ihre Brüder und hoffte, dass jeder sein Glück
finden würde. Ihre Wege waren verschieden, das Ziel, das sie suchten,
dasselbe und doch für jeden anders.
Kann den Glück nicht so sein, wie Personen verschieden?
~Ende
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