Montag, 19. März 2012

BS: Wege des Glücks 3

geschrieben von Blue Siren



3. Kapitel - Der Krieger

Vier Tage zuvor -
im Lager der vor ihrem Kampf gegen den Orden in Tobaco City

~ Luca schlug mit der Faust auf den Tisch.
"Was bringt es uns hier nur rumzusitzen und auf den Tod zu warten?! Was bringt es den Menschen dort draußen?! Wir müssen etwas gegen den Orden unternehmen! So kann und wird es nicht weitergehen! Sollen wir warten bis diese miesen Widerlinge die ganze Welt ins Elend stürzen?! Es wird nicht mehr nur unser Land betreffen, wenn wir diese Wahnsinnigen nicht stoppen!"
"Und ich sage dir doch, jeder Widerstand ist zwecklos! Diese Typen vom Orden sind mächtig - wirklich mächtig! Es sind nur sinnlose Opfer, die hier gebracht werden! Ich werde nicht zulassen, dass uns dein überkochendes Testosteron ins Verderben stürzt! Was bringt uns dieser Kampf, wenn wir tot sind?! Alle, die sich gegen den Orden auflehnen, werden ohne, dass auch nur eines der hohen Tiere des Ordens mit der Wimper zuckt, niedergeschossen! Ich will nicht, dass du, ich oder Joshua uns in Gefahr bringen müssen für eine Schlacht, die schon von Anfang an verloren war!"
"Das sagst du nur weil du feige bist, Natasha. Du hast Angst um dein Leben - was ich dir niemals übel nehmen würde - aber es geht nicht, dass jeder sich klein macht und dem Orden fügt. So wird sich nie etwas an all dem Elend verbessern! Das ist doch genau was der Orden will: Alle geben aus Angst klein bei und können so weiter ausgebeutet werden. Ich lasse mir nicht einen Tag länger den Mund verbieten! Es müssen nun mal Opfer gebracht werden, damit sich etwas ändert-"
Natasha stampfte auf den Boden.
"Aber das werden nicht wir sein, Luca! Wir sind weder Krieger, noch Soldaten, noch haben wir Waffen. Wir müssen endlich aus dieser gottverdammten Hölle fliehen!"
Luca fegte mit seinem Arm ein Glas vom Tisch und brüllte Natasha an.
"Und wir lassen all die Menschen hier sterben? Wir ignorieren das ganze Unglück, das hier geschieht und gehen einfach weg und machen uns ein schönes Leben? Ich hätte nie gedacht, dass du so widerlich feige und egoistisch sein kannst! Du bist kaum besser als die Hunde des Ordens!"
Natasha biss sich auf die Lippe. Sie war den Tränen nah - wie konnte Luca nur so etwas zu ihr sagen?
"Wie kannst du das zu mir sagen? Ich habe einfach genug von diesem ganzen Scheiß hier! Unser ganzes Leben war eine Aneinanderreihung von Enttäuschungen und Verlust! Ein großer Haufen Scheiße! Was glaubst du wie oft ich mir nur gewünscht habe endlich zu sterben?! Kannst du nicht verstehen, dass ich endlich ein angenehmes Leben haben will?"
"Doch. Ich verstehe dich, Tasha. Und genau deswegen solltest du auch mich verstehen. Ich will den Leuten hier nur jegliches weitere Leid ersparen. Dieser Kampf ist nicht zu Ende, bevor nicht auch das letzte Mitglied des Ordens da draußen auf dem staubigen Boden verblutet ist!"
"Den Leuten hier dürstet es aber sicher nicht nach Blut, sondern nach Wasser! Was bringt ihnen ein Land voller Leichen, auf dem sowieso nie wieder etwas gedeihen wird? Was bringt uns das Gemetzel außer noch mehr Hass, Leid und Rachedurst?!"
"Freiheit", war Lucas Antwort.
"Diese Freiheit können wir auch wo anders haben. Es ist nicht unmöglich zu fliehen! Soll doch der Orden hier auf seinem Fleckchen Land verrecken in Müll und Leichen! Alle, die hier bleiben wollen, sollen hier bleiben! Und wenn du dazu gehören willst, dann geh doch! Zieh in die Schlacht und besudle dich mit Blut, wenn es dir gefällt - aber ich und Joshua werden ganz sicher nicht mitgehen!"
"Diese Diskussion hat keinen Sinn! Wir sind anscheinend unterschiedlicher Meinung, Schwester! Aber ich werde mich nicht deinen falschen Idealen unterwerfen. Ich hoffe nur, du bist froh mit dem was du tust. Wenn du als alte Frau auf einen Leichenberg zurückblicken kannst und dabei sagen kannst 'Ich bereue nichts. Ich habe nichts falsch gemacht', dann beneide ich dich trotzdem nicht. Ich werde für mein Wohl, das Wohl meines Heimatlandes und das Wohl des Volkes kämpfen - und du wirst mich nicht daran hindern!"
Luca schnappte sich die Tasche und riss immer noch in voller Rage die Tür auf, sodass diese fast aus den Angeln flog.
"Mach doch, was du willst, du unendlicher Starrkopf! Idiot!", rief Tasha ihm hinterher, als er davon trabte.  ~

Luca schreckte aus seinem Traum hoch. Er schaute sich um und lag noch immer in dem kleinen Zelt. Dieser Streit mit seiner Schwester verfolgte ihn in seinen Träumen, seit er sie und Joshua vor einem Jahr allein in der Hütte zurückgelassen hatte. Nun war er hier und am Ende des Tages, im Schutze der Dunkelheit, würden sie aufbrechen, um das Ordenshaus in Tobaco City angreifen. Und ausgerechnet jetzt hatte er wieder diesen beschissenen Traum, der seine Gedanken immer komplett durcheinander warf. Er hasste Natashas tränenvollen Blick, als sie ihm nachgerufen hatte.
Er wollte nicht sehen, was ihn auf dieser Erde hielt.
Er musste doch für alles bereit sein.
Er durfte keine Zweifel an seiner Mission und ihrem Wert haben.
Luca wollte das Gefühl ignorieren, einfach zurück zu den Beiden zu gehen und mit ihnen zu fliehen. Wieder und wieder musste er sich daran erinnern, warum er sich in diese Kämpfe gegen eine schier unbesiegbare Macht stürzte.
Er musste alle rächen, die bereits gefallen waren, alle retten, die zum Untergang verdammt waren, alle beschützen, die ihm wichtig waren.
 Doch fühlte er sich in seiner Mission nicht wie ein Held... manchmal eher wie ein Bauer beim Schachspiel, der strategisch geopfert wurde, um den gegnerischen König zu stürzen.
Seufzend richtete er sich auf und trat aus dem Zelt heraus. Die Sonne war gerade halb zu sehen. Luca fröstelte es, aber er ließ es sich nicht anmerken. Vor dem Hauptzelt brannte bereits ein kleines Lagerfeuer.
Mit finsteren Gesichtern blickten seine Kameraden in das Feuer. Ihre Augen waren leer, die eigentlich jungen Gesichter von Furchen und Narben überzogen. Luca zuckte kurz zusammen, als ihm eine Hand auf die Schulter schlug und seine betrübte Stimmung durchbrach, wie die Sonne eine morgendliche Nebelwand
"Na, auch schon wach Luca? Heut Abend geht's los. Wir sollten uns so gut wie möglich stärken. Wir müssen wirklich gut vorbereitet sein, damit wir möglichst viele von diesen Faschistenschweinen kalt machen können!"
Es war Hawkes, der Anführer der Widerstandbewegung. Er war groß und muskulös, jedoch hatte er bereits einen Arm verloren.
Und viele seiner Freunde, dachte Luca.
Jedoch war er derjenige, der scheinbar nie an diesem Kampf zweifelte und der von einem unsichtbaren Geist angetrieben wurde, der ihm immer wieder auf die Beine half.
Luca bewunderte Hawkes für seine Kraft. Gerne wäre er genauso entschlossen und mutig.
"Wir sollten erstmal etwas essen gehen, Luca. Mit leeren Magen hat noch keiner gut gekämpft, was?", schlug Hawkes fröhlich vor.
Luca nickte stumm und beide setzten sich zu den anderen Rebellen ans Lagerfeuer. Vielleicht das letzte Mal, grübelte Luca in Anbetracht der ihnen bevorstehenden Schlacht...

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